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Der KombiBUS startet in der Uckermark

Brandenburg/Angermünde, 09.09.2012 (BA/kmn)
Güterzüge mit Personenbeförderung, kurz GmP, prägten lange Jahre das Bild auf verschiedenen kleineren Nebenbahnen. Bevor sich die Schienenbusse als Retter der Nebenbahnen etablierten, hing man oftmals einzelne Personen-Waggons an Nahgüterzüge an, um auch trotz geringer Fahrgastzahlen einen Anschluss von der Fläche in die Stadt zu schaffen.

In Zeiten des demographischen Wandels und stetig sinkender Fahrgastzahlen sucht man nun wieder nach Alternativen um einen wirtschaftlichen Personen-Nahverkehr zu ermöglichen. Zwar kehrt der ‚Güterzug mit Personenbeförderung‘ nicht zurück, doch überführt man dieses Konzept nun auf die Straße. In zahlreichen skandinavischen Ländern ist es bereits seit Jahren Gang und Gäbe, dass Busse auch Güter transportieren, um die kleineren Orte in der Fläche zu versorgen. Nun hat man dieses Konzept, erstmal als Pilot-Projekt, nach Deutschland geholt, genauer gesagt nach Brandenburg in die dünn besiedelte Uckermark. Seit Anfang September verkehren im Großraum Angermünde Busse mit speziellen Anhängern um neben Personen auch Gepäck, Fahrräder aber auch Post und Lebensmittel zu transportieren.

Mit einem Festakt wurde am Freitag (7. September 2012) der deutschlandweit erste KombiBUS offiziell auf Tour geschickt. Die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft (UVG) befördert als Busunternehmen ab sofort nicht nur Personen, sondern transportiert auch Güter. Der Busverkehr soll als mobile Versorgungsinfrastruktur einen zusätzlichen Beitrag zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum leisten – und muss dafür nicht einmal neue Kapazitäten aufbauen: Haltestellen, freier Frachtraum in den Fahrzeugen und ein regelmäßiger Fahrplan sind ohnehin vorhanden. Das kommt nicht nur der Region, sondern auch den Fahrgästen zugute. Denn die neue Aufgabe hilft gleichzeitig, die Busverbindungen finanziell zu sichern und insbesondere auch außerhalb des Schülerverkehrs eine Bedienung zu ermöglichen.

Das Prinzip der kombinierten Beförderung von Gütern und Personen gilt in anderen europäischen Ländern, z.B. Skandinavien, bis heute als traditionelle Praxis. In Deutschland dagegen haben sich seit den 1960er Jahren beide Sparten getrennt voneinander entwickelt und dadurch parallele Strukturen geschaffen. Die werden in ländlichen Regionen mittlerweile zu teuer, weshalb die Bündelung beider Zweige eine Lösung für die Zukunft sein könnte. Das Bundesministerium des Innern gab im Rahmen seines Modellvorhabens ›Daseinsvorsorge 2030‹ die Prüfung und Erprobung des KombiBUS-Ansatzes in Deutschland in Auftrag. Ein Gutachten dazu liegt seit Ende vergangenen Jahres vor, seit Januar arbeitet die UVG mit Unterstützung durch versierte ÖPNV-Experten an der Realisierung. Gefördert wird das Projekt auch durch die Initiative LandZukunft des Bundesagrarministeriums.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck hatte bereits im August 2011 den Beitrag des KombiBUS hervorgehoben und gelobt, dass das Konzept »sich an den Bedürfnissen der Menschen in der Region orientiert. Die Umsetzung dieser tollen Idee wird zur Sicherung der Daseinsvorsorge und der Lebensqualität in ländlichen Regionen beitragen.« Auf die Auszeichnung als Demografie-Beispiel folgt nach der Jungfernfahrt nun der Regelbetrieb. Die Kombi-Busse sind ab sofort u.a. auf der Linie Prenzlau – Angermünde anzutreffen.

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