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Kirchner warnt mögliche Koalitionäre vor Entscheidungen gegen die Schiene

EVG zieht positive Bilanz ihrer Arbeit • Gewerkschaftstag eröffnet

Berlin, 13.11.2017 (BA/gm)
Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner, hat die möglichen Koalitionäre einer neuen Bundesregierung davor gewarnt, Entscheidungen gegen den Verkehrsträger Schiene zu treffen. „Sollten FDP und Grüne gemeinsam mit der CDU/CSU bei der Eisenbahn die Trennung von Netz und Betrieb durchsetzen wollen, werden wir uns mit allen uns zur Verfügung stehenden Mittel wehren“, machte Alexander Kirchner deutlich. 

Kirchner erinnerte in seiner Eröffnungsrede zum Gewerkschaftstag daran, dass die EVG in den zurückliegenden Jahren immer wieder erfolgreich gegen die Zerschlagung von integrierten Strukturen in der EU gekämpft habe. So seien im Februar 2014 mehrere Tausend Eisenbahnerinnen und Eisenbahner vor das Europaparlament in Straßburg gezogen und hätten zur seinerzeitigen Trennungsdebatte lautstark deutlich gemacht: „Nicht mit uns“! Seinerzeit wurden sie von den Abgeordneten gehört – „wir werden dies, wenn nötig, auch hier in Berlin lautstark deutlich machen“, kündigte Kirchner an.

Der EVG-Vorsitzende forderte die Politik auf, nicht die Augen vor den leidvollen Erfahrungen zu verschließen, die andere Länder in dieser Frage bereits gemacht hätten. „In Frankreich und Spanien führt man die Strukturen derzeit wieder zusammen, weil sich die Trennung nicht bewährt hat“, so Kirchner. Dieser Irrweg müsse in Deutschland nicht beschritten werden. „Am Ende stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel und die zu erhalten ist eine unserer wichtigsten Aufgaben“, stellte Alexander Kirchner fest.

Dabei gehe es nicht allein um die DB AG. In Deutschland gebe es mehr als 40 integrierte Eisenbahnunternehmen – Betriebe also, die über ein eigenes Schienennetz verfügen. „Wenn es zu einer Trennung von Netz und Betrieb kommen sollte, sind diese alle in ihrer Entwicklung bedroht und stünden teilweise möglicherweise vor dem Aus“, mache Kirchner deutlich.

Ein Trennungsbeschluss der Politik habe zudem gravierende Auswirkungen auf die Beschäftigungspolitik und die soziale Absicherung der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner. „In getrennten Unternehmensbereichen gibt es keine Durchlässigkeit mehr, der konzernweite Arbeitsmarkt wird mit zerschlagen; das vergessen viele in der politischen Diskussion“, kritisierte Kirchner.

So würden Lokführer, die ihren Beruf nach einer Suiziderfahrung nicht mehr ausüben könnten, häufig zum Fahrdienstleiter umgeschult. Dies sei nur in Integrierten Strukturen möglich; andernfalls drohe Arbeitsplatzverlust und möglicherweise der soziale Abstieg, weil der problemlose Übergang aus dem Bereich Netz in den Bereich Betrieb dann nicht mehr möglich sei.

Die EVG werde sich den vor ihr liegenden Herausforderungen auch in den nächsten Jahren stellen und den Wandel im Sinne der Beschäftigten gestalten, kündigte Kirchner vor den rund 1.000 Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung an.

Der EVG-Vorsitzende erinnerte dabei an die Anfänge seiner Gewerkschaft. 1896 sei in Hamburg die erste Gewerkschaft für die Eisenbahner entstanden, aus der heraus sich GDED und TRANSNET entwickelt hätten, die sich schließlich mit der damaligen GDBA verschmolzen habe. „Ich bin sehr stolz darauf, sagen zu können, dass wir die älteste Eisenbahnergewerkschaft in Deutschland sind; unsere über hundertjährige Tradition ist uns auch heute noch Ansporn und Verpflichtung, deshalb sind wir weiterhin stark und erfolgreich“, so Kirchner.

Vor sieben Jahren sei die Jahrzehnte lange Gegnerschaft zwischen der damaligen TRANSNET und der GDBA beendet worden. „Auf unserer Traditionsfahne steht ‚Einigkeit macht stark‘ und aus dieser Stärke heraus haben wir gehandelt – für unsere Mitglieder“, machte der EVG-Vorsitzende deutlich.

„Als EVG ist es uns gelungen, die Löhne für den überwiegenden Teil der Beschäftigten in eben diesen sieben Jahren um mehr als 23 Prozent zu steigern. Mit Tarifverträgen zum demographischen Wandel, zu Arbeit 4.0 und mit der erfolgreichen Umsetzung des Wahlmodells haben wir unsere Zukunfts- und Handlungsfähigkeit bewiesen“, stellte Alexander Kirchner fest.

Bei den Aufsichtsratswahlen, den Betriebsratswahlen, den Personalratswahlen sowie den Wahlen zu den Schwerbehindertenvertretungen, aber auch bei den Wahlen zur Jugend- und Auszubildendenvertretung habe die EVG in dieser Zeit Zustimmungswerte von 75 bis über 90 Prozent der Beschäftigten in der Branche erreicht.

Über 80 Prozent der Auszubildenden hätten sich in den zurückliegenden Jahren entschieden, Mitglied in der EVG zu werden. Und in diesem Jahr konnten bereits mehr als 7.000 neue Mitglieder begrüßt werden.

„All das zeigt, dass wir erfolgreich sind. Wir haben die vor uns liegenden Herausforderungen immer angenommen und letztlich Regelungen vereinbart, die gut sind für die Beschäftigten und einen Mehrwert für unsere Kolleginnen und Kollegen schaffen“, stellte Alexander Kirchner fest. Damit dies so bleibe, werde sich die EVG während des Zweiten Ordentlichen Gewerkschaftstages intensiv mit den Herausforderungen der Zukunft beschäftigen.

Dazu gehöre auch die Frage, wie sich die im DGB vertretenen Gewerkschaften und der DGB selbst wappnen wollen, um Beschäftigte auch in der Arbeitswelt der Zukunft schlagkräftig vertreten zu können. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung des EVG-Gewerkschaftstages diskutierten dazu die Vorsitzenden am Podium.

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