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Klimagerechter Ausbau des Verkehrssektors ist eine große Herausforderung

Experten und Kommunalvertreter diskutierten in Mainz neue Wege der Mobilität

Mainz/Kaiserslautern, 13.05.2018 (BA/gm)
Beim Kongress Neue Mobilität diskutierten am vergangenen Mittwoch Experten und Vertreter von Kommunen über notwendige Veränderungen im Verkehrsbereich aufgrund der hohen Emissionen und Umweltbelastungen. Der Kongress, zu dem der Behörden Spiegel und die Energieagentur Rheinland-Pfalz eingeladen hatten, rückte Strategien für Kommunen und öffentliche Fuhrparks in den Fokus, um künftig die Emissionen zu senken. Die Veranstaltung fand im Mainzer Atrium-Hotel statt. 

In Fachforen diskutierten die rund 180 Kongressteilnehmer über Elektromobilität im ländlichen Raum, nachhaltige Mobilitätsstrategien und klimafreundliche Verkehrsentwicklung, flächendeckende Infrastrukturen für Elektromobilität, „Intermodalität“ – Integration von öffentlichem Nahverkehr und Individualverkehr, Elektro-Busse und Elektro-Nutzfahrzeuge sowie digitales Mobilitätsmanagement. Klar wurde, dass der Automarkt den aktuellen Bedürfnissen derzeit noch hinterherhinkt, sich aber rasant entwickeln werde: „2025 werden 70-80 Prozent der Neuzulassungen elektrisch sein“, prognostizierte Michael Schramek, Vorsitzender des Netzwerks intelligente Mobilität.

„Rund 20 Prozent der CO2-Emissionen und etwa 40 bis 50 Prozent der Stickstoffdioxid-Emissionen stammen in Deutschland aus dem Verkehrssektor“, so Energie- und Umweltstaatssekretär Thomas Griese. „In Mainz und Ludwigshafen kam es 2017 zu Überschreitungen bei den gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid-Langzeitwerten. Das zeigt uns: Wir müssen handeln und die Weichen für eine schadstofffreie Mobilität zum Schutz unserer Umwelt und Gesundheit dringend stellen.“ Gerade für die Sektorkopplung – nämlich durch die direkte Nutzung von Sonnen- und Windstrom, ohne dass er überhaupt in die Netze gespeist wird – sei die Elektromobilität ein Schlüsselthema. Denn dadurch werde das Auto selbst zu einem Energiespeicher.

„Bei den Neuzulassungen und dem Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur ist Rheinland-Pfalz auf gutem Weg“, stellte Andreas Neff, Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz, fest. „Immerhin liegt unser Land beispielsweise im bundesweiten Ranking bei den Förderanträgen für den Umweltbonus auf dem sechsten Platz.“ Auch im Rahmen des Förderprogramms Ladeinfrastruktur des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) waren Antragsteller aus Rheinland-Pfalz sehr erfolgreich. In der ersten Runde konnten Unternehmen aus Rheinland-Pfalz Förderbescheide für 294 Normal- und 72 Schnellladepunkte entgegennehmen.

Für Eva Kreienkamp, Geschäftsführerin Mainzer Mobilität, ist es notwendig, dass Kommunen bei der Entwicklung neuer Verkehrskonzepte ihre bisherige Herangehensweise überdenken und auch neue Wege gehen: Während Kommunen in der Vergangenheit den Blick oftmals nicht über die Grenzen der eigenen Kommune hinaus gerichtet hätten, seien künftig Kooperationen, Co-kreatives Arbeiten, beispielsweise mit den Ideen von Versicherern, und interkommunale Arbeit essentiell.

Neben dem Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektroautos in den Städten und auf dem Land waren die Integration von öffentlichem Nahverkehr und individuellen Verkehrsmitteln, wie dem Fahrrad oder Auto, ein großes Thema, also eine tageszeitunabhängige Punkt-zu-Punkt-Beförderung über eine Beförderungskette, die gut funktionieren müsse, um eine Alternative zum Auto zu bieten.

Die Verkehrsbranche sei insgesamt noch nicht gut gerüstet für das, was auf sie zukomme, weder finanziell noch von den Kapazitäten her, lautete das Fazit des Forums „Intermodalität“. Verkehrsleistungen müssten in unserer Zeit ganz neu gedacht werden.

Mit der Lotsenstelle für alternative Antriebe sowie dem Projekt Elektromobilität im ländlichen Raum unterstützt die Energieagentur Rheinland-Pfalz Kommunen und Unternehmen. Zudem bietet der Energieatlas der Energieagentur Rheinland-Pfalz seit Mai 2018 zahlreiche Informationen zur Nachhaltigen Mobilität an.

Auch in den Kongresspausen konnten die Teilnehmer gar nicht genug bekommen vom Thema Nachhaltige Mobilität. Bei Testfahrten, beispielsweise mit Elektroautos, konnten sie sich von den Vorzügen dieser alternativen Fortbewegung überzeugen und so mancher Teilnehmer kam mit breitem Grinsen von seiner „Jungfernfahrt“ mit einem E-Auto zurück.

Die Energieagentur Rheinland-Pfalz unterstützt als kompetenter Dienstleister Kommunen und ihre Bürger sowie Unternehmen in Rheinland-Pfalz bei der Umsetzung von Aktivitäten zur Energiewende und zum Klimaschutz. Sie wurde 2012 als Einrichtung des Landes gegründet und informiert unabhängig, produkt- sowie anbieterneutral.

Der Behörden Spiegel ist eine monatlich erscheinende überregionale Zeitung für den öffentlichen Dienst in Deutschland.

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