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Warnstreiks auch im Nürnberger ÖPNV

VAG wird am morgigen Freitag ab Betriebsbeginn bestreikt

Nürnberg, 14.06.2018 (BA/gm)
Am morgigen Freitag, 15. Juni 2018 wird der öffentliche Personennahverkehr der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg ab Betriebsbeginn bestreikt. Betroffen sind alle Linien, also die U-Bahn-, Straßenbahn- und Buslinien. Auch wenn der Streik im Fahrdienst von der Gewerkschaft Verdi nur für 4.00 bis 8.00 Uhr angesetzt ist, kommt es sicherlich den Vormittag, fallweise auch den ganzen Tag über zu Auswirkungen auf den Betrieb, da nach Streikende aufwändig alle Fahrer und Fahrzeuge sukzessive wieder zusammen und auf Plan gebracht werden müssen. 

Erschwerend kommt hinzu, dass im Anschluss an den Fahrdienst ab 9.00 Uhr Werkstätten und Verwaltung aufgerufen sind, die Arbeit für vier Stunden niederzulegen. Nicht betroffen vom Warnstreik sind der Eisenbahnverkehr sowie die Regionalbuslinien, die auch in Nürnberg verkehren. Anlass für den Warnstreik sind die laufenden Tarifverhandlungen zwischen dem Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern und den Gewerkschaften zum Tarifvertrag Nahverkehr Bayern (TV-N). Hierzu finden am morgigen Freitag Verhandlungen in Nürnberg statt.

Karl-Heinz Pöverlein, Vorstandsmitglied für Personal- und Sozialfragen der VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft zum bevorstehenden Warnstreik: „Wir bedauern, dass wir unseren Kunden wahrscheinlich nur sehr wenige Fahrten mit Bussen und Bahnen anbieten können. Wir können leider nicht abschätzen, wie viele Mitarbeiter ihren Dienst antreten. Unser Ziel ist es, so viele Fahrzeuge fahren zu lassen, wie möglich. Im Busbetrieb werden in jedem Fall die Fahrten, die private Busunternehmen in unserem Auftrag fahren, stattfinden. Wir bitten unsere Fahrgäste um Verständnis.“

Auswirkungen auf den ÖPNV
Verdi plant den Betrieb von U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen möglichst stark zu treffen. Neben Nürnberg wird auch der ÖPNV in Fürth und Erlangen bestreikt. Die VAG hofft ihrerseits dennoch auf möglichst viele Beschäftigte, die sich zum Dienst melden, um den Kunden so viele Fahrten wie möglich anbieten zu können. Dennoch trifft der Streik die Fahrgäste zur Unzeit im morgendlichen Berufsverkehr. Dies insbesondere, weil zum jetzigen Zeitpunkt, aber auch morgen früh nur eingeschränkt Aussagen möglich sind, welche Linien in welchem Umfang besetzt werden konnten. Sicher ist, dass es auf allen Linien zu Fahrtausfällen kommen wird, teils mit größeren Lücken zwischen den einzelnen Fahrten.

„Es ist in jedem Fall mit Engpässen und Überlastungen zu rechnen. Voraussichtlich stehen den Fahrgästen auch teils lange Wartezeiten an den Haltestellen bevor“, gibt Andreas May, Betriebsleiter für U-Bahnen und Straßenbahnen zu bedenken.

Auf der U1 (Langwasser – Süd – Fürth Hardhöhe) wird die VAG ganztägig fahren, die ersten Stunden aber sicherlich unregelmäßig. Die U2, die automatisch, ohne Fahrer betrieben wird, wird Vorrang vor der ebenfalls automatischen, aber etwas weniger nachgefragten U3 haben. Ziel ist es auf der U2 ganztags einen stabilen Fünf-Minuten-Takt mit Langzügen anzubieten. Die U3 käme zusätzlich dazu, wenn sich in der Zentralen Serviceleitstelle und für den Kunden- und Systemservice genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter melden.

Straßenbahnen und Busse werden voraussichtlich auf allen Linien unregelmäßig verkehren. Im Busbetrieb Nürnberg werden gut 30 Prozent der Fahrten von privaten Busunternehmen im Auftrag der VAG gefahren. Sie werden ihre regulären Dienste übernehmen, da so kurzfristig keine gleichmäßige Verteilung der Fahrten auf alle Linien möglich ist und dies zudem Probleme bei der Normalisierung des Betriebes nach dem Warnstreik mit sich brächte.

Informationen zum Angebot
Aktuelle Informationen zum Angebot gibt es morgen früh mit regelmäßigen Aktualisierungen über vag.de sowie über aktuelle Medien wie den Hörfunk oder Onlinemedien. Die Fahrplanauskunft im Netz gibt die aktuelle Situation genauso wenig wieder wie die Anzeigetafeln an den Bahnhöfen und in den Fahrzeugen. Letztere werden mit einem allgemeinen Hinweis auf den Warnstreik bestückt.

Da es sich um einen Warnstreik handelt, greift das VAG-Serviceversprechen nicht, es gibt keinen Ausgleich für nicht angebotene Fahrten.

Empfehlung an die Fahrgäste
Auch wenn es ein ausgedünntes Angebot geben wird, empfiehlt die VAG ihren Kunden, möglichst frühzeitig los zu gehen, wenn möglich aufs Fahrrad, die Bahn oder die Regionalbuslinien umzusteigen bzw. kürzere Wege zu Fuß zu gehen. Autos werden wahrscheinlich noch mehr im Stau stehen als jeden Tag.

Karl-Heinz Pöverlein zum Warnstreik
Karl-Heinz Pöverlein, der Verhandlungsführer für die kommunalen Arbeitgeber im Nahverkehr ist, bewertet den Warnstreik wie folgt: „Es ist ärgerlich, dass Verdi am Tag der dritten Verhandlungsrunde zu einem Warnstreik in Nürnberg, Fürth und Erlangen aufgerufen hat. Wir haben ein sehr gutes Angebot in der Höhe des diesjährigen Tarifabschlusses für den öffentlichen Dienst vorgelegt. In der Summe haben wir insgesamt 7,5 Prozent mehr Geld über 30 Monate angeboten. Zusätzlich haben wir unsere Bereitschaft erklärt, über Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Verdi hat bei den Forderungen jegliches Augenmaß verloren. Die Situation der Kommunen und der kommunalen Verkehrsunternehmen ist finanziell angespannt. Es gibt keine Spielräume über das sehr gute Angebot hinaus.“

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