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Hanau: Hauptbahnhof-Umfeld bedarf eines Wandels

Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme als Ziel

Hanau, 04.12.2018 (BA/gm)
„Hanaus Innenstadtentwicklung ist keineswegs abgeschlossen. Es mangelt noch an einer Abrundung, indem wir die städtebauliche Verbindung zwischen Hauptbahnhof und City endlich stärken. Vor allem das Hauptbahnhof-Umfeld hat einen Wandel nötig, damit ein modernes zentrales Stadtentrée auch an dieser Stelle zu einem besseren Image der künftigen Großstadt Hanau beiträgt.“ So analysiert Oberbürgermeister Claus Kaminsky die Lage, die sich mittels einer Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme nach Baugesetzbuch grundlegend positiv verändern soll. Erster Schritt dazu ist eine vorbereitende Untersuchung über maximal zwei Jahre, die der Magistrat gebilligt hat und am 17. Dezember 2018 den Stadtverordneten vorliegt. 

Bei der Gremienvorlage geht es um eine Gesamtfläche von rund 25 Hektar nordöstlich des Hauptbahnhofs. Der Bereich erstreckt sich im Nordwesten vom Kreuzungsbereich Dettinger Straße/Am Hauptbahnof über das Areal zwischen Industrieweg und Bahngleisen bis zur Straße Heideäcker an der Bundesstraße 43a. Diese sowie die B45, Autobahn A3, A5 und A66 binden das Untersuchungsgebiet ebenso exzellent ans regionale, nationale und internationale Umfeld an wie der Hauptbahnhof selbst, der mit seinen vielen Schienenverbindungen zu den meistgenutzten im Rhein-Main-Ballungsraum zählt.

Freilich ist nicht nur der Bahnhof selbst in einem Zustand, der dringend der Modernisierung bedarf, was die Deutsche Bahn für 2020/2021 angekündigt hat. Auch der nördliche Vorplatz, wie das Gebäude 1966 in Betrieb genommen, entspricht nicht mehr Erfordernissen der Zukunft. Dazu Stadtrat Thomas Morlock: „Hier sind moderne Mobilitätsstationen notwendig mit einem verbesserten Busbahnhof und mehr Qualität beim Fahrradparken. Hier muss ein multimodaler Knoten entstehen, der klimafreundliche Angebote des Schienen-, Bus- und Radverkehrs optimal verknüpft, ebenso Carsharing und Elektromobilität für Zweiräder und Autos.“

Über den Hauptbahnhof und seinen Vorplatz hinaus müsse der gesamte Untersuchungsraum „in größerem Maßstab umstrukturiert werden“, fordert Oberbürgermeister Kaminsky. Eine städtebauliche Neuordnung müsse zum Ziel haben, dass dort ein erhöhter Bedarf an Wohn- und Arbeitsstätten gedeckt und Brachflächen wieder genutzt werden könnten. „Das Wachstum und die Entwicklungsdynamik der Rhein-Main-Region führt zu einer veränderten, qualitativ hochwertigen Nachfrage. Am Hauptbahnhof haben wir das Potenzial zur wirtschaftlichen Weiterentwicklung Hanaus“, führt der OB weiter aus.

Aufgrund der zentralen Lage im Stadtgebiet und in Richtung Innenstadt seien auf der westlichen Seite des Untersuchungsgebiets „hochkarätige Nutzungen wie Forschung und Entwicklung denkbar, ebenso hochwertige Dienstleistungen wie ein Hotel. Auf der östlichen Seite sei zusätzliches Gewerbe vorstellbar. Auf dem Gelände der ehemaligen Rütgers-Werke, wo zum Teil der Boden verunreinigt ist, gelte es die brachliegende Nutzfläche durch entsprechende Sanierung zu aktivieren. Weiter westlich zum Alten Auheimer Weg erfülle das dortige Quartier seine Funktion als Gewerbegebiet nur unzureichend; das lasse sich effizienter nutzen, so der OB.

Für die städtischen Betriebshöfe von Hanauer Straßenbahn und Hanau Infrastruktur Service (HIS) samt Bauhof werde eine Standort-Verlagerung auf die Konversionsfläche der Underwood-Kaserne geprüft, erläutert der für diese Einrichtungen verantwortliche Stadtrat Morlock weiter. „Die bestehenden Gebäude und technischen Anlagen sind teils stark sanierungsbedürftig. Es besteht ein erheblicher Investitionsstau“, erläutert er. Zudem sei der Wertstoffhof an seiner jetzigen Stelle nur bedingt geeignet; wegen der vorgeschriebenen Trennung von dienstlichem und privatem Verkehr sei dort die Abgabe von Sperrmüll und sonstigem Abfall durch Bürgerinnen und Bürger nur eingeschränkt möglich.

Wie kann die Stadt Hanau nun ihre weitreichenden städtebaulichen Ziele nordöstlichen des Hauptbahnhofs durchsetzen? Martin Bieberle, Leiter des Fachbereichs Planen, Bauen und Umwelt, empfiehlt für die geordnete städtebauliche Neuordnung das Vorkaufsrecht der Gemeinde umfassend zu nutzen. „Um den erhöhten Bedarf an Wohn- und Arbeitsstätten zu decken und brach liegende Flächen wieder nutzen zu können, steht uns mit der Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme nach Baugesetzbuch der Eingriff in Privateigentum zu, damit wir unseren Handlungsspielraum erfolgreich ausschöpfen können“, erläutert Bieberle.

Die mit den Gremienbeschlüssen eingeleitete vorbereitende Untersuchung durch die städtische BAUprojekt Hanau GmbH dient dazu, den Nachweis des Allgemeinwohl-Erfordernisses und der besonderen kommunalen Bedeutung des Entwicklungsbereichs zu erbringen. „Nichtsdestotrotz müssen wir parallel prüfen, ob das Instrumentarium des Sanierungsrechts ausreichend wäre“, so Bieberle weiter. Das würde eine Städtebauliche Entwicklung mit Vorkaufsrecht ausschließen. Er meint aber: „Zur Problembewältigung sind Sanierung und Umlegung voraussichtlich nicht geeignet.“ Eigentümer, Mieter, Pächter und andere Nutzungsberechtigte im Untersuchungsbereich sollen „über die Zielvorstellungen der Stadt informiert und intensiv in die Zieldiskussion einbezogen werden“, heißt es in der Gremienvorlage.

Darüber hinaus schließt sich an das Untersuchungsgebiet das Gelände der Heraeus Quarzglas an, das durch Umzüge in den kommenden Jahren frei wird. Zu dieser Fläche zwischen Ehrensäule und Hauptbahnhof befinden sich die Stadt Hanau und das Unternehmen Heraeus derzeit in Gesprächen über eine Kooperationsvereinbarung.

Erika Schulte, Geschäftsführerin der Hanau Wirtschaftsförderung GmbH, ist überzeugt, „dass durch diese Entwicklung hochwertige, zeitgemäße Gewerbeflächen mit direkter S-Bahn-Anbindung entstehen, die im Rhein-Main-Gebiet gesucht werden“. Und sie ist sicher, „dass sich der Wirtschaftsstandort Hanau hierdurch weiter positiv entwickeln kann.“

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