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Krisengespräch mit BOB/BRB-Geschäftsführung

Geschäftsführung der BOB/BRB legt weitreichende Maßnahmen für die Netze „Bayerisches Oberland“, „Meridian“ und „Ostallgäu-Lechfeld-Bahn“ vor • BEG wird Umsetzung fachlich und finanziell unterstützen sowie in wöchentlichen Gesprächen intensiv begleiten

München, 09.02.2019 (BA/gm)
Aufgrund der nicht abreißenden Probleme bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), dem Meridian sowie bei der seit Dezember 2018 neu in Betrieb gegangenen Ostallgäu-Lechfeld-Bahn (Augsburg – Landsberg, München/Augsburg – Füssen), hat die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, finanziert und kontrolliert, die für die genannten Netze zuständige Geschäftsführung am gestrigen Freitag zu einem Krisengespräch zur Betriebsqualität einbestellt. Alle Netze werden von der Bayerischen Oberlandbahn GmbH bzw. Bayerischen Regiobahn GmbH betrieben.

Anlass des Krisengesprächs am gestrigen Freitag waren die im Bayerischen Oberland und beim Meridian seit Monaten anhaltenden Qualitätsprobleme in Form von erheblichen Verspätungen und Zugausfällen, unakzeptablen Zugkürzungen, mangelnden Fahrgastinformationen oder einer unzureichenden Disposition im Störfall. Seit Dezember 2018 kamen außerdem erhebliche Startschwierigkeiten beim Betrieb des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes hinzu. 

Die schlechte Betriebsqualität in den drei Netzen hatte dazu geführt, dass sich seit Fahrplanwechsel im Dezember 2018 knapp 50 % aller bei der BEG eingegangenen Fahrgastbeschwerden auf eines der BOB/BRB-Netze bezogen haben – und dies, obwohl die drei Netze nur einen Anteil von 7,5 % der im bayerischen Schienenpersonennahverkehr bestellten Zugkilometer ausmachen. Dabei betreibt die BEG bereits eine äußerst engmaschige Überwachung der Betriebslage in den drei BOB/BRB-Netzen. Neben zahlreichen Gesprächen mit der BOB/BRB-Geschäftsführung, vielen Vor-Ort-Terminen sowie auch der Mitfinanzierung von Qualitätsprojekten (wie z. B. die Beschaffung einer Enteisungsanlage für das Betriebswerk Lenggries, der Einsatz von Infodisponenten zur Verbesserung der Fahrgastinformation im Störfall oder der Einsatz eines Pünktlichkeitsmanagers zur Analyse von Verspätungsursachen) erhebt die BEG auch alle vorgesehenen Vertragsstrafen, wenn die geforderten Qualitätsstandards nicht erreicht werden.

„Mit dem heutigen Krisengespräch wollten wir nicht nur der BOB/BRB-Geschäftsführung gegenüber nochmals ausdrücklich den massiven Unmut der Fahrgäste sowie der BEG über die derzeitige Betriebslage verdeutlichen, sondern haben auch mit Nachdruck weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Situation bei der BOB, dem Meridian sowie der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn gefordert“, so Thomas Prechtl, Geschäftsführer der BEG. Im Rahmen des Krisengesprächs hat die BOB/BRB zu den einzelnen Netzen verschiedene Maßnahmenpakete vorgelegt.

Bayerisches Oberland:
Im Oberlandnetz waren die Fahrgäste im Januar 2019 untragbaren Zuständen ausgesetzt. Im Rahmen der Schneefälle waren die Streckenabschnitte südlich von Holzkirchen tagelang komplett gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar. Für die noch verbleibenden Verkehrsleistungen erreichte die BOB im Januar nach vorläufigen Daten eine Pünktlichkeit von unter 70 %. „Uns ist bewusst, dass im Januar 2019 zahlreiche Ausfälle und Einschränkungen im Betrieb der BOB zunächst auf eine mangelhafte Räumung durch die Infrastrukturbetreiber DB Netz und DB Station&Service zurückzuführen waren. Die Probleme bei der BOB wie mangelnde Fahrgastinformationen, ein unzureichendes Störfallmanagement oder immer wiederkehrende Fahrzeugprobleme bestehen aber bereits viel länger“, kritisiert Prechtl.

Schon im vierten Quartal 2018 lag die Monatspünktlichkeit der BOB jeweils deutlich unter 90 % (Oktober: 84,7 %; November: 88,6 %; Dezember: 86,4 %). Die BEG hatte von der BOB immer wieder die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrzeugsituation, der Fahrgastinformation sowie der Betriebsabläufe gefordert und die Umsetzung in regelmäßigen Gesprächen mit der BOB kontrolliert – offenbar waren die Maßnahmen der BOB jedoch gerade bei Großstörungen nicht weitreichend genug.

Wesentliche Maßnahmen:

  • Die BOB erstellt gemeinsam mit DB Netz und DB Station&Service ein Konzept zur Wintervorbereitung sowie zum Umgang mit unterschiedlichen Wintersituationen und erstellt entsprechende Notfallkonzepte.
  • Die BOB erhöht den Personalbestand in der Betriebsleitzentrale zur Verbesserung der Disposition.
  • Zur Verbesserung der Fahrgastinformation wurde eine zweiteilige Strategie vereinbart. Die BOB wird einerseits kurzfristige Maßnahmen zur Herstellung der Funktionsfähigkeit ihrer eigenen Systeme vornehmen. Andererseits soll eine übergreifende und gesamthafte Analyse der Fahrgastinformationssysteme durch einen externen Gutachter durchgeführt werden. Die BEG wird die Analyse fachlich und finanziell unterstützen.
  • Die BOB hat die Ausarbeitung einer Entschädigungsregelung für Zeitkarteninhaber infolge der zehntägigen Wintersperrungen zugesagt.
  • Zusätzlich hat die BEG eine grundlegende Überarbeitung des Störfallhandbuchs für das Netz „Bayerisches Oberland“ – gegebenenfalls mit externer Unterstützung – gefordert, welches als Grundlage für die anderen BOB/BRB-Netze dienen soll. Dadurch soll sichergestellt werden, dass bei betrieblichen Störfällen ein geregelter und standardisierter Prozess zur Betriebsabwicklung inklusive Schienenersatzverkehr, Reisendenlenkung und Fahrgastinformation greift. Die BEG wird dieses Projekt ebenfalls finanziell und fachlich unterstützen. Darüber hinaus soll ein Schulungskonzept für die Mitarbeiter der Betriebsleitzentrale erstellt und der BEG vorgelegt werden. Dieses soll auch „Trockenübungen“ für das Erlernen eines routinemäßigen Umgangs mit Störfallsituationen beinhalten.

Nicht zufriedenstellend waren aus BEG-Sicht vor dem Hintergrund der zahlreichen Fahrzeugschäden und -störungen die Aussagen der BOB zur Fahrzeug- und Werkstattsituation. Die BEG hat daher eine Nachlieferung konkreter Maßnahmen bis kommenden Montag gefordert.

Meridian:
Das aus BEG-Sicht dringlichste Problem beim Meridian stellt die aktuelle Fahrzeugsituation dar, welche zu zahlreichen Zugkürzungen führt. Insbesondere seit dem vierten Quartal 2018 hatten sich die Zugkürzungen von einem ohnehin schon hohen Niveau nochmals drastisch verschärft. So wurden beispielsweise im November 2018 über 31.000 Zugkilometer mit verkürzten Zügen erbracht. „Die von der BOB ergriffenen Maßnahmen wie z. B. der Einsatz einer speziellen Diagnose-Software zur Reduzierung der Fahrzeugstörungen haben bisher offenbar überhaupt keinen Effekt erzielt. Stattdessen werden die Fahrgäste auch in den Hauptverkehrszeiten weiterhin mit verkürzten Zügen oder fahrzeugbedingten Ausfällen konfrontiert“, so Prechtl. Die BEG hatte daher die Beschaffung von Ersatzfahrzeugen zur Entlastung der Fahrzeugsituation gefordert.

Wesentliche Maßnahmen:

  • Die BOB führt mit dem Fahrzeughersteller eine intensive Fehleranalyse durch, um die Ursachen teilweise noch ungeklärter Fahrzeugstörungen zu identifizieren.
  • Die BOB prüft die kurzfristige Beschaffung zusätzlicher Fahrzeuge, um den Fahrzeugbestand bis zur dauerhaften Stabilisierung der Fahrzeugsituation vorübergehend zu erhöhen. Die BEG hat die BOB in diesem Zusammenhang nochmals mit Nachdruck aufgefordert, die Suche nach Ersatzfahrzeugen schnellstmöglich auszuweiten und auch einen vorübergehenden Einsatz lokbespannter Wagenzüge bei einzelnen Leistungen in Betracht zu ziehen.
  • Es wurde ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Behebung langwieriger Flottenprobleme bei den Bestandsfahrzeugen sowie zur Abarbeitung von Winterschäden vorgestellt.
  • Die Schadbearbeitung soll deutlich beschleunigt und die Standzeiten der Fahrzeuge erheblich reduziert werden.

Zusätzlich hat die BEG ein Gespräch mit dem Fahrzeughersteller Stadler Rail AG kurzfristig einberufen, um die Behebung der kritischen Fahrzeugprobleme zu beschleunigen.

Ostallgäu-Lechfeld-Bahn
Die BEG hatte die Inbetriebnahme des Ostallgäu-Lechfeld-Netzes im Vorfeld durch engmaschige Inbetriebnahmegespräche überwacht. Dennoch liegt die Ostallgäu-Lechfeld-Bahn seit Betriebsstart im Dezember 2018 weit hinter den Erwartungen zurück. So erreichte diese im Dezember lediglich einen Pünktlichkeitswert von 80,4 %; auch für den Januar 2019 war nach vorläufigen Werten mit einer Pünktlichkeit von rund 82 % kein signifikanter Aufwärtstrend erkennbar.

Zur weit unterdurchschnittlichen Pünktlichkeit kommen weitere Probleme wie beispielsweise vermeidbare Anschlussverluste am Bahnhof Kaufering oder personalbedingte Ausfälle der Taktverstärker zwischen Augsburg und Bobingen sowie der Züge auf dem Abschnitt Kaufering – Landsberg seit dem 01.02.2019 hinzu. „Im Gegensatz zu anderen Inbetriebnahmen, die entweder reibungslos verlaufen oder bei denen sich der Betrieb nach wenigen Tagen stabilisiert, bekommt die zuständige BRB den Betrieb bei der Ostallgäu-Lechfeld-Bahn bisher nicht in den Griff“, so Prechtl.

Wesentliche Maßnahmen:

  • Die Betriebsabläufe werden durch kurzfristige Umlaufänderungen ab dem 11.02.2019 verbessert (u. a. Verringerung verspätungsanfälliger Rangier­vorgänge im Gesamtnetz sowie teilweise verlängerte Wendezeiten).
  • Weitere Verbesserungen der Betriebsabläufe sind durch die Umsetzung infrastruktureller Maßnahmen zu erwarten (z. B. zusätzliche Signaltechnik auf neuen Bahnsteigen in Augsburg ab März 2019 sowie eine Blockverdichtung zwischen Augsburg und Inningen im Juni 2019).
  • Die Anschlusssituation in Kaufering soll durch einen nochmals intensivierten Austausch mit der Transportleitung von DB Regio sowie eine neue Bahnhofsfahrordnung in Kaufering ab dem 11.02.2019 verbessert werden.
  • Es wurden umfangreiche Maßnahmen zur Behebung von Fahrzeugstörungen und Komfortmängeln vereinbart (u. a. kurzfristige Überprüfung von Heizungen, Trittstufen, Kupplungen und Zugzielanzeigen). Noch ungeklärt sind die Ursachen sporadischer Kuppelstörungen bei den Fahrzeugen. Die BRB führt derzeit eine intensive Analyse mit dem Fahrzeughersteller durch.
  • Der Personalbestand bei den Triebfahrzeugführern wird sich in den kommenden Wochen sukzessive erhöhen. Spätestens ab März soll sich die Personalsituation deutlich entspannen.

Die BEG wird die Umsetzung der Maßnahmen in allen drei Netzen intensiv begleiten. So werden alle vereinbarten Maßnahmen in einer umfangreichen Maßnahmenliste dokumentiert und mit Zielterminen hinterlegt. Die BEG wird sich auf Geschäftsführungs- und Abteilungsleiterebene von der BOB/BRB-Geschäfts­führung im Rahmen wöchentlicher Gespräche über den jeweiligen Umsetzungs­stand unterrichten lassen und bei Bedarf die Aufnahme zusätzlicher Maßnahmen in die Maßnahmenliste fordern. Des Weiteren werden auf Initiative der BEG kurzfristig weitere Gespräche zu einzelnen Themenbereichen auf Fachebene stattfinden. Auch mit dem Infrastrukturbetreiber DB Netz AG wird es weitere Gespräche auf regionaler Leitungsebene zur Aufarbeitung der Winterkrise sowie der allgemeinen Infrastruktur­störungen geben.

„Das vorgestellte Maßnahmenpaket geht insgesamt in die richtige Richtung und enthält mehrere Maßnahmen, deren Umsetzung sich bereits kurzfristig positiv auf den Betrieb auswirken wird. Hinzu kommen zahlreiche Maßnahmen, die sich derzeit in der Konzeptions- oder Umsetzungsphase befinden und in den kommenden Wochen und Monaten für weitere Verbesserungen sorgen sollten“, so Prechtl. Darüber hinaus gibt es weitere langfristige Maßnahmen wie die beschlossene Beschaffung von Neufahrzeugen im Oberlandnetz im Jahr 2020.

„Wir können nicht erwarten, dass der Betrieb nun schlagartig vollständig reibungslos verläuft. Dafür sind die bestehenden Probleme, insbesondere im Bereich der Fahrgastinformation, zu umfangreich und vielschichtig. Es handelt sich vielmehr um einen laufenden Prozess, der kontinuierlich für sukzessive Verbesserungen sorgt. Wichtig ist, dass die BOB/BRB die Themen jetzt konsequent vorantreibt und für eine schnellstmögliche Umsetzung sorgt. Zusätzlich werden wir auch die Infrastrukturbetreiber in die Pflicht nehmen. Die Fahrgäste können sich darauf verlassen, dass die BEG hier den Druck weiterhin aufrecht erhält“, betont Prechtl.

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