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Bahn-Tarifverhandlungen: Gemeinsam Bahnberufe attraktiver machen

Leistungsfähigkeit dabei nicht gefährden

Berlin, 29.03.2019 (BA/gm)
„Unsere Unternehmen wollen gemeinsam mit den Gewerkschaften, dem Bund und den Aufgabenträgern der Länder Bahnberufe attraktiver machen. Wir zahlen auch heute schon wirklich gute Gehälter, die künftig weiter ansteigen werden. Weitere Wahlmodelle, die einen Urlaub von bis zu über 40 Tagen pro Jahr bedeuten, sind aber angesichts des leergefegten Arbeitsmarkts nicht realistisch. Erhebliche und dauerhafte Zugausfälle sind dann nicht mehr zu vermeiden. Das passt überhaupt nicht zu unserem gemeinsamen Ziel, den umweltschonenden Schienenverkehr bis 2030 zu verdoppeln“, appelliert Christian Schreyer, amtierender mofair-Präsident, an die Gewerkschaften. 

In vergangenen Tarifverhandlungen mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen im SPNV haben die Gewerkschaften EVG und GDL jeweils erhebliche Gehaltssteigerungen für das Zugpersonal durchsetzen können. Grob gesagt, sind die Gehälter von Triebfahrzeugführern in den vergangenen zehn Jahren um etwa 50 % gestiegen, und damit deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Wirtschaftszweige. Das hat die finanziellen Möglichkeiten der Verkehrsunternehmen stark beansprucht: Die Leistungsentgelte, die die EVU von den Aufgabenträgern im Rahmen ihrer Verkehrsverträge erhalten, steigen in weit geringerem Maße an.

Daneben wurden vielerorts Wahlmodelle vereinbart, bei denen die Beschäftigten entscheiden konnten, ob sie mehr Freizeit oder mehr Einkommen wünschen. Zur Überraschung beider Tarifpartner, Gewerkschaften und Verkehrsunternehmen, wurden die zusätzlichen freien Tage viel häufiger als zuvor vermutet gewählt. Dies zeigt, dass die „Work-Life-Balance“ inzwischen eine deutlich größere Bedeutung hat. Die Bahnberufe vollziehen einen Trend mit, der sich in vielen Arbeitsmarktsektoren abzeichnet.

Konkret können schon bisherige Modelle dazu führen, dass ein Triebfahrzeugführer inzwischen 36 anstatt wie zuvor 30 Urlaubstage hat. In aktuellen Verhandlungen fordert die EVG ein „Wahlmodell II“, das bis zu 42 Urlaubstage bedeuten könnte.

Für die Eisenbahnverkehrsunternehmen ließe sich das gar nicht mehr mit Geld lösen: Wenn die vorhandenen Arbeitskräfte weniger Arbeit leisten, müssten neue angestellt werden – diese sind aber auf dem Arbeitsmarkt auch angesichts der demografischen Entwicklung schlicht nicht mehr vorhanden. Seit Jahren gilt der Triebfahrzeugführer als „Engpassberuf“. Im Jahresdurchschnitt 2018 waren 269 „Tfs“ in ganz Deutschland als arbeitsuchend gemeldet – bei einem Bedarf von mehreren Tausend über alle Eisenbahnverkehrsunternehmen im Personen- und Güterverkehr. Immer weniger Bewerber bringen die Voraussetzungen mit, als Triebfahrzeugführer arbeiten zu können: Wenn von allen Bewerbern am Ende einer Anwerbeaktion 10 % als fertig ausgebildete „Tfs“ übrigbleiben, ist das heute schon ein gutes Ergebnis.

Das bedeutet in verschiedenen Regionen Deutschlands, dass reguläre Fahrten wegen Personalmangels ausfallen mussten. Dazu Magali Euverte, mofair-Schatzmeisterin: „Das ist eine beunruhigende Entwicklung, und wir tun alles um gegenzusteuern. Wir wollen unbedingt unseren Teil dazu beitragen, dass wir die Zahl der Fahrgäste im Schienenverkehr bis 2030 verdoppeln können. Dazu brauchen wir vor allem mehr gute Leute. Bei aller Einigkeit mit den Gewerkschaften, dass die Bahnberufe noch attraktiver werden sollen: Jetzt das Arbeitskräfteangebot ohne Not weiter zu verknappen, ist der falsche Ansatz.“

Die Verkehrsunternehmen tun alles, um neues Personal zu gewinnen: Imagekampagnen, Beratertage, teilweise aufwändige Anwerbeaktionen im Ausland. In verschiedenen Bundesländern gibt es konzertierte, unternehmensübergreifende Aktionen mit der Landespolitik. Auf Bundesebene wurde im Rahmen des „Zukunftsbündnisses Schiene“ eine sechste Arbeitsgruppe „Fachkräfte“ eingesetzt. Das alles geschieht, um mittelfristig den Fachkräfteengpass zu überwinden.

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