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Wiener Linien verbannen Glyphosat

Stadt Wien geht mit gutem Beispiel voran: „Wo bleibt nationales Glyphosatverbot, Frau Minister Köstinger?“

Wien, 13.04.2019 (BA/gm)
Umweltschutz groß geschrieben: Dies ist in der Stadt Wien kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Praxis in allen Bereichen. Die Wiener Linien verzichten daher auf den Einsatz des Pflanzengifts Glyphosat zur Unkrautbekämpfung auf den Gleisen und setzen auf händisches Entfernen des Unkrauts in den Nachtstunden. „Die Wiener Linien gehen mit gutem Beispiel voran. Doch es braucht endlich ein nationales Verbot, das Bundeskanzler Kurz bereits 2017 vollmundig angekündigt hat“, so Wiens Umwelt- und Öffi-Stadträtin Ulli Sima. Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel steht unter dringendem Verdacht, krebserregend zu sein und muss laut Sima umgehend vom Markt verbannt werden. Sie fordert die Bundesregierung, im besonderen die zuständige Umweltministerin Elisabeth Köstinger auf, aktiv zu werden. 

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt den Glyphosat-Ausstieg der Wiener Linien. „Die Wiener Linien zeigen vor, wie es geht und verzichten ab sofort auf das Pflanzengift Glyphosat. Damit schützen sie nicht nur die Umwelt, sondern auch unsere Gesundheit vor diesem wahrscheinlich krebserregenden Mittel. Allerdings ist es höchste Zeit, dass auch die Bundespolitik ihre Verantwortung wahrnimmt und das Risikoprodukt Glyphosat endlich flächendeckend vom Markt nimmt“, sagt Sophie Lampl, Kampagnendirektorin bei Greenpeace in Österreich.

Öffis sind klimafreundlich und umweltschonend – in allen Bereichen
Jeder Fahrgast der Wiener Linien schont die Umwelt und sorgt für saubere Luft, weniger Lärm und mehr Platz in der Stadt: „Für die Wiener Linien ist der Umweltschutz eine Selbstverständlichkeit und damit auch der Ausstieg aus Glyphosat. Wir nutzen jede Möglichkeit, um die Nachhaltigkeit der Öffis weiter zu steigern“, so Wiener-Linien-Geschäftsführer Günter Steinbauer. Das Unkraut wird nun, wenn notwendig händisch entfernt. Dazu werden die betriebsfreien Zeiten in der Nacht genutzt. Die Unkrautmenge liegt in einem überschaubaren Rahmen, da durch das dichte Intervall die Bedingungen für Unkrautwachstum im Gleisbereich erschwert werden.

Wiener Parks, Wälder & Landwirtschaft längst glyphosatfrei
Auch andere Abteilungen und Unternehmen der Stadt Wien verzichten seit etlichen Jahren auf den Einsatz von Glyphosat. So verwenden die Wiener Stadtgärtner (MA 42) keine Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff mehr. Die Unkrautbekämpfung in sämtlichen Parks und Grünflächen der Stadt Wien erfolgt umweltfreundlich und rein mechanisch. Weder der Forst- noch der Landwirtschaftsbetrieb in der Stadt Wien verwendet Glyphosat. Auch die Wiener Friedhöfe verzichten künftig gänzlich auf den Einsatz des Unkrautvernichtungsmittels und haben Glyphosat bereits aus ihrer Gärtnerei komplett verbannt. Die Flächen der Wiener Netze werden ebenfalls gänzlich glyphosatfrei von wucherndem Unkraut befreit und gepflegt.

Glyphosatverbot: Kurz-Rückzieher, Köstinger untätig
Am 13.12. 2017 hatte Bundeskanzler Kurz medial einen völligen Ausstieg Österreichs aus dem Glyphosat-Einsatz angekündigt. Im wenige Tage später präsentierten Regierungsprogramm, war davon kein Wort mehr zu finden: „Wo bleibt das Glyphosatverbot?“, fragt Sima nun. „Noch Ende 2017 verkündete Kurz vollmundig einen nationalen Alleingang und das komplette Verbot des Pflanzengifts Glyphosat“, erinnert Sima. „Davon übrig geblieben ist im schwarz-blauen Regierungsprogramm lediglich ein Aktionsplan und eine Machbarkeitsstudie – diese liegt zwar offenbar mittlerweile vor, wird aber von der Bundesregierung zurückgehalten“ so Sima.

Es zeigt sich, dass bei der ÖVP, wie so oft, die landwirtschaftlichen Interessen gegenüber der Umwelt überwiegen, denn auch die zuständige Ministerin Köstinger zieht sich aus der Affäre: „Offenbar will Köstinger nach ihrem Biomassedebakel weiteren Unmut ihres Klientels, den Landwirten, unbedingt vermeiden“, mutmaßt Sima über die Ursache der Untätigkeit Köstingers. „Ich fordere die Bundesregierung auf, ein bundesweites Glyphosatverbot zu beschließen und sich auf EU-Ebene für ein explizites Verbot von glyphosathaltigen Herbiziden einzusetzen“, so Sima.

Trotz WHO-Warnung kein Glyphosat-Verbot durch EU
Das Pflanzengift Glyphosat wird universal zur Unkrautbekämpfung verwendet, die Einsatzmenge steigt weltweit. Die Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) gibt an, dass allein in Österreich 312 Tonnen im Jahr 2016 verkauft wurden.

Im März 2015 bewertete die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“. Wissenschaftler aus 25 Ländern sowie die WHO schlossen sich der Meinung der IARC an, dass Glyphosat in Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Glyphosat ist in der EU seit 2002 als Wirkstoff für Pflanzenschutzmittel zugelassen. Die Zulassung war mit Ende 2017 befristet. Trotz der Warnungen vor Gesundheitsgefährdungen schlug die EU-Kommission eine Zulassungsverlängerung um 5 Jahre vor. Bedauerlicherweise wurde dies im November 2017 beschlossen.

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