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„Digitale“ Schiene?

Technologien sind da, kollaboratives Denken und Prozesse fehlen noch

„Digitale“ Schiene?

Frankfurt a. M., 29.11.2019 (BA/gm)
Die Digitalisierung des Schienenverkehrs steckt noch in den Kinderschuhen. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint. Der Sektor sieht die Digitalisierung zwar als klare Notwendigkeit für die Zukunft, ist aber unterschiedlich weit bei der Umsetzung. Auch die Vorstellungen davon, was, wie und mit wem genau digitalisiert werden soll, gehen unter den Beteiligten teils stark auseinander. BearingPoint-Experte Alexander Schmid: „Der Bahnsektor steht angesichts der Klimadebatte weltweit unter immensem Erwartungsdruck. Nur wer jetzt echtes Change Management betreibt, kann die Bahn ins digitale Zeitalter führen.“

Im Zuge der weltweiten Debatte um die Begrenzung des Klimawandels steht die Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel im Fokus der politischen Agenda: Günstigere Fahr- und Trassenpreise sowie Investitionen in den Netzausbau sollen die Bahn zukünftig attraktiver machen – so hat es die Bundesregierung kürzlich in ihrem Klimaschutzprogramm beschlossen. Dabei ist die Digitalisierung der Schiene entscheidend: Mithilfe neuer Technologien, moderner Datennutzung sowie einer zielgerichteten IT-Strategie kann die Bahn als emissionsarmes Fortbewegungsmittel mehr Personen- und Güterverkehr von der Straße auf die Schiene verlagern. 

Alexander Schmid, Partner bei BearingPoint: „Der Bahnsektor steht angesichts der Klimadebatte weltweit unter immensem Erwartungsdruck. Die Bahn soll schneller, günstiger und pünktlicher werden – Ziele, die nur mit konsequenter Digitalisierung umzusetzen sind. Nur wer jetzt echtes Change Management betreibt, kann die Bahn ins digitale Zeitalter führen.“

BearingPoint hat aktuell in einer internationalen Studie untersucht, wie und wo die Digitalisierung die Schieneninfrastruktur effizienter machen kann. Dabei wurden die Studienteilnehmer aus zehn europäischen Ländern sowohl nach Optimierungspotenzial bei Planung und Bau als auch in der Anlageninstandhaltung befragt.

Lange Prozesse und ineffektives Arbeiten behindern Digitalisierung in der Planung
73 Prozent der Befragten geben demnach in der Umfrage an, dass in Planungsprozessen geeignete Datenmodelle und Planungswerkzeuge eingesetzt werden. Als hinderlich schätzen die Befragten jedoch ineffektives Arbeiten und Doppelarbeiten (89 Prozent) sowie zu lange Planungsprozesse (81 Prozent) ein. 62 Prozent geben darüber hinaus an, dass Planungsunterlagen oft nicht aktuell seien oder gar nicht zur Verfügung stünden. Danach gefragt, ob aktuelle Trends und Technologien bereits in den Planungs- und Bauprozessen verankert seien, ergeben sich starke Unterschiede zwischen den Beteiligten: Während Vertreter von Bauunternehmen (60 Prozent) und IT- sowie Software-Anbietern (57 Prozent) überdurchschnittlich zustimmen, fallen die Eisenbahninfrastrukturunternehmen mit 26 Prozent deutlich zurück.

Nach den wichtigsten Maßnahmen und Faktoren für die Verankerung digitaler Lösungen und Prozesse befragt, geben 100 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass eine Offenheit für digitale Lösungen sowie eine positive Fehlerkultur essenziell seien. 95 Prozent glauben, dass die Strategie, das Management und die Geschäftskultur auf die digitale Transformation ausgerichtet sein sollten. Als größte Hürden bei der Implementierung digitaler Lösungen werden hingegen der Mangel an digitalem Fachwissen und Fachkräften (89 Prozent) oder die fehlende partnerschaftliche Kultur zwischen einzelnen Geschäftspartnern (64 Prozent) wahrgenommen.

Digitalisierung in der Instandhaltung: viel Papier statt neuer Technologien
Bei der Instandhaltung des bestehenden Schienennetzes sehen die Umfrageteilnehmer vor allem den hohen Anteil an Papierarbeit kritisch (86 Prozent). Innovative Technologien zur Überwachung der Infrastruktur stehen noch am Anfang. So geben 36 Prozent an, bereits mit automatisierter Datenvisualisierung, zum Beispiel bei Weichen, zu arbeiten. 32 Prozent nutzen jeweils Algorithmen für vorausschauende Fehleranalysen oder sensorbasierte Ferndiagnosen zur Früherkennung von Störungen.

Zusammenfassend belegt die Studie, dass der Wunsch nach einer schnellen Digitalisierung des Bahnsektors in der Branche zwar groß ist, die regionale und divisionsübergreifende Skalierung und Vernetzung jedoch noch bevorsteht. Hauptgrund für die Verzögerung in der Umsetzung ist unter anderem die unterschiedliche digitale Reife der einzelnen Stakeholder im Eisenbahninfrastruktur-Management.

Alexander Schmid kommentiert abschließend: „Digitalisierung des Schienenverkehrs? Im Fußball würde man sagen: Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt und das Tor ist leer. Sicherer Erfolg. Übertragen auf die Bahn: Feststehendes Streckennetz und überschaubares Digitalisierungsfeld, klare Zielvorgaben unter nachvollziehbaren verkehrs-, wirtschafts- und umweltpolitischen Erwartungen und hohe, verfügbare Investitionsmittel. Es muss nur jemand gegen den Ball treten und das Tor machen. Und genau daran scheint es bei der Bahn zu fehlen. Die Antworten unserer Studie weisen auf Fachkräftemangel und Führungskräftemangel mit Digitalverständnis. Auf dem Platz muss das Runde ins Eckige. Auf der Schiene muss das Digitale zum mittleren Management. Wer kann zukünftig die sicheren Tore schießen, wenn vielleicht zu wenige etatmäßige Digitalstürmer im Team sind? Klare Taktikanweisung: Dann müssen mit absehbar hohem Change-Aufwand die vielen Analogverteidiger trainiert werden.“

Die vollständige Studie steht unter diesem Link zur Verfügung.

Über die Studie
Für die Studie „Digitalization in rail infrastructure management“ wurden relevante Teilnehmer entlang der Wertschöpfungskette im Schieneninfrastruktur-Management befragt: Eisenbahninfrastrukturunternehmen, Bauunternehmen, Planungs- und Ingenieurbüros, IT- und Softwareanbieter, Instandhaltungsunternehmen, sowie Hersteller und Eisenbahnbehörden. Insgesamt nahmen 58 Stakeholder aus zehn europäischen Ländern teil.

Über BearingPoint
BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei Geschäftsbereichen: Der erste Bereich umfasst das klassische Beratungsgeschäft; Business Services als zweiter Bereich bietet Kunden IP-basierte Managed Services über SaaS hinaus; im dritten Bereich stellt BearingPoint Software-Lösungen für eine erfolgreiche digitale Transformation, Advanced Analytics und regulatorische Anforderungen bereit und entwickelt gemeinsam mit Kunden und Partnern neue, innovative Geschäftsmodelle.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 75 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

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