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Österreichs erster E-Bus im Überland-Linienbetrieb kommt nach Vorarlberg

Busflotte im Oberland durch vier E-Busse erweitert

Rankweil, 23.02.2020 (BA/gm)
Am gestrigen Samstag präsentierten die Bundesministerin für Klimaschutz und Mobilität Leonore Gewessler, Mobilitätslandesrat Johannes Rauch, ÖBB-Personenverkehr-Vorständin Michaela Huber, die Rankweiler Bürgermeisterin Katharina Wöß-Krall und Verkehrsverbund-Geschäftsführer Christian Hillbrand am Bahnhof Rankweil die österreichweit ersten vier E-Busse mit großer Reichweite. Diese werden ab Ende 2020 Februar im Vorderland auf den Linien zwischen Bludenz, Feldkirch bis nach Götzis unterwegs sein. „Ich freue mich, dass die Projektpartner in Vorarlberg einen so wichtigen gemeinsamen Schritt in Richtung umweltfreundlicher Mobilität setzen“, sagte Ministerin Gewessler: „Diese Busse zeigen, dass Elektromobilität alltagstauglich wird. Einer der wesentlichen Hebel zur Erreichung der österreichischen Klimaziele ist die strategische Neuausrichtung des Verkehrs. Das Ziel ist, den tatsächlichen CO2-Ausstoß im Verkehr laufend zu reduzieren.“ 

Förderung von Elektrobussen
Die öffentliche Hand will dabei eine Vorreiterrolle einnehmen und so rasch wie möglich die Beschaffung von emissionsfrei betriebenen Fahrzeugen zum Standard machen. Deshalb führt Österreich die bestehenden Förderungen für Elektrobusse inklusive Infrastruktur, E-Ladestationen und Flottenumstellungen auf Ebene der Länder und des Bundes auch im Jahr 2020 fort. Zur Einhaltung der Clean Vehicle Richtlinie, welche öffentliche Beschaffungsvorgänge für Busse nach dem 2. August 2021 strenge Klimaschutz-Kriterien auferlegt, soll darüber hinaus ein System geschaffen werden, das die entstehenden Mehrkosten berücksichtigt und finanziell abfedert.

Der Vorarlberger Linienbusverkehr verfügt bereits über eine moderne und relativ „junge“ Busflotte mit effizienten Antrieben und entsprechend geringem CO2 Ausstoß. Eine Steigerung der Umweltverträglichkeit der öffentlichen Verkehrsmittel lässt sich allerdings unter anderem mit Hilfe elektrisch angetriebener Linienbusse erzielen. Für E-Busse, deren Fahrbetrieb mit Ökostrom erfolgt, ergibt sich unter der Berücksichtigung der erhöhten Herstellungsemissionen für die Batterie im Vergleich zu einem modernen Dieselbus (EURO VI) eine CO2 Einsparung von über 90 Prozent über die gesamte Lebensdauer des Fahrzeuges. Ein Grund auf den E-Bus zu setzen.

Seit mehreren Jahren an alternativen Antrieben gearbeitet
Die Verkehrsverbund Vorarlberg GmbH (VVG) arbeitet bereits seit mehreren Jahren mit alternativen Antrieben. Bereits 2014 wurde ein erster Testbetrieb eines rein elektrisch angetriebenen Linienbusses durchgeführt. In den darauffolgenden Jahren wurden die Linienverkehre des Landes auf deren Eignung für den Einsatz von Elektro-Linienbussen untersucht und im Jahr 2017 die entsprechenden Anforderungen an die Fahrzeuge definiert. Gemeinsam mit dem Busunternehmen ÖBB-Postbus GmbH und dem Land Vorarlberg engagiert sich die VVG seit Anfang 2018 in einem konkreten Beschaffungsprojekt für Elektro-Linienbusse, welche für ausgewählte Linienverkehre innerhalb des Verkehrsverbund Vorarlberg (VVV) eingesetzt werden können. Der auf E-Bus spezialisierte Fahrzeugbauer, der den Auftrag für die Lieferung von vier E-Bussen erhalten hatte, konnte den Vertrag 2018 jedoch nicht erfüllen. So dass eine Neuausschreibung notwendig wurde. Diese konnte das französische Unternehmen Iveco für sich entscheiden.

Ab Ende Februar 2020 auf den Linien unterwegs
Ab Ende Februar 2020 werden nun die ersten vier E-Busse auf den Linien zwischen Bludenz über Feldkirch nach Götzis fahren. Gebaut wurden die Fahrzeuge von der Firma IVECO Heuliez in Frankreich und sind somit zu hundert Prozent ein europäisches Produkt. „Wir sind sehr stolz darauf, dass die ersten elektrisch angetriebenen Busse mit Reichweiten von bis zu 290 Kilometer in Vorarlberg fahren werden. Zudem sind die vier E-Busse zwölf Meter lang. Das gibt es bisher in ganz Europa nicht,“ schwärmte Landesrat Rauch. Die E-Busse werden auch auf den Linien, die den Rankweiler Bahnhof anfahren, unterwegs sein. „Damit wird der Bahnhof Rankweil noch um einen weiteren Mosaikstein ergänzt, der ihn zu einer modernsten Mobilitätsdrehscheiben Österreichs macht. Vom Zug geht es direkt weiter zum E-Bus, zum Fahrrad oder zum Elektro-Leih-Auto“, zeigte sich Rauch begeistert.

„Wir nehmen gemeinsam mit ÖBB Postbus unsere Verantwortung als DER klimafreundliche Mobilitätspartner im ländlichen Raum wahr. Die neuen E-Busse sind wegen ihrer Reichweite von bis zu 290 Kilometern und ihrer schnellen Ladezeit optimale Fahrzeuge für die Strecken im Oberen Rheintal.“, berichtete Michaela Huber, Vorständin der ÖBB-Personenverkehr AG und Postbus Aufsichtsratsvorsitzende.

„Wir freuen uns, dass die E-Busse auf ihrer Linie auch über Rankweil fahren. Als e5-Gemeinde legen wir besonders großen Wert auf nachhaltige Mobilität. Die Mobilitätsdrehscheibe Rankweil ist ein Meilenstein für die Ortsentwicklung. Kurze Wege ins Zentrum, ein modernes Erscheinungsbild und ein ausgeklügeltes Verkehrssystem stärken die Wirtschaftskraft, aber auch die örtliche Lebensqualität,“ freute sich Bürgermeisterin Wöß-Krall.

„Saubere Straßenfahrzeuge“
Das Ziel des Landes Vorarlberg und des Verkehrsverbundes ist es, möglichst viele wertvolle Erfahrungen mit den elektrisch betriebenen Bussen im Linienverkehr zu sammeln. „Auf diese Weise sind wir gerüstet für die anstehende Herausforderung, unsere Busflotte verstärkt durch emissionsfrei betriebene Fahrzeuge umzurüsten,“ erläuterte VVV-Geschäftsführer Hillbrand. So sieht die 2019 verabschiedete Clean Vehicle Richtlinie vor, dass nach dem 2. August 2021 im ersten Verpflichtungszeitraum bis Ende 2025 mindestens 45 Prozent aller von öffentlichen Unternehmen neu beschafften Busse „saubere Straßenfahrzeuge“ sein müssen. Davon muss die Hälfte emissionsfrei sein. Verkehrsverbund und Land wollen aber bereits vor Inkrafttreten dieser Richtlinie E-Busse einsetzen.

Weitere Herausforderungen müssen angegangen werden
Es gibt aber noch Herausforderungen zu meistern. Erfahrungen mit alternativen Antrieben in den vergangenen Jahren zeigen, dass die breitere Einführung dieser Antriebstechnologie beim derzeitigen Stand der Technik aus zweierlei Gründen nicht unproblematisch zu sehen ist. Gerade in alpinen Lagen erreichen die E-Busse derzeit noch keine große Reichweite, um den Verkehrsbetrieb sicher gewährleisten zu können. Auch im dichten urbanen Verkehr wie im unteren Rheintal stoßen E-Busse in ihren Reichweiten ohne zusätzliche Infrastrukturausbauten an ihre Grenzen.

Aus einer vorangegangenen Markterkundung wurde die Erkenntnis gewonnen, dass aktuell nur ausgewählte Spezialhersteller in der Lage sind, entsprechend geeignete Fahrzeuge in der notwendigen Serienreife und entsprechenden Stückzahl herzustellen und zu liefern. Die Produktionskapazitäten dieser Hersteller sind jedoch derzeit noch stark beschränkt. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie ist ein Lieferengpass mit Lieferverzögerungen von mehr als einem Jahr sowie überproportionale Preissteigerungen zu erwarten.

„Wenn die ersten vier Fahrzeuge jetzt einen erfolgreichen Betrieb vorweisen mit Heizung im Winter und Klimaanlage im Sommer sollte einer weiteren Bestellung und somit einem weiteren Ausbau der Elektrifizierung im ÖPNV nichts mehr im Wege stehen. Bei einem Preis von ca. 580.000 Euro pro E-Bus wird aber die öffentliche Hand zukünftig noch mehr gefordert sein, zusätzliche Mittel für den Ausbau des ÖPNV ebenso wie für eine technisch und betrieblich beherrschbare Umstellung auf saubere Antriebsarten zur Verfügung zu stellen,“ gab Hillbrand zu bedenken.

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