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Ausbau der Erftbahn zur S-Bahn: Bürgerwünsche fließen in die Planung ein

Erste Bausteine der Vorzugsvariante veröffentlicht

Köln, 12.05.2020 (BA/gm)
Rund neun Monate nach Abschluss der Bürgerbeteiligung zum Ausbau der Erftbahn (RB 38) zur S-Bahn liegen die Antworten der Planer auf die meisten Anregungen der Bürgerinnen und Bürger vor. Die Strecke zwischen Horrem und Bedburg soll elektrifiziert und so ausgebaut werden, dass künftig ein 20-Minuten-Takt möglich ist, mit längeren S-Bahnen als den heutigen Dieseltriebzügen. Bürger hatten die Möglichkeit, sich einzubringen. Die Planer von Deutscher Bahn (DB) und Nahverkehr Rheinland (NVR) hatten rund 900 Meinungsäußerungen auszuwerten, die im vergangenen Sommer im Rahmen zweier Infomessen und eines Online-Dialogs eingegangen waren. Zu den meistdiskutierten Themen zählten die Verkehrssituation rund um die Bahnübergänge, die Lärmbelästigung durch Signaltöne von Zügen und an Bahnübergängen sowie die Lage der Stationen und Bahnsteige. 

Das Projektteam, bestehend aus dem Land Nordrhein-Westfalen, NVR und DB, hat heute Details zur sogenannten Vorzugsvariante veröffentlicht. Darunter versteht man den aktuellen Planungsentwurf, in den die Anregungen der Bürger so weit wie möglich eingeflossen sind. Die Vorzugsvariante gibt noch nicht exakt den späteren Bauplan wieder. Sie bildet den aktuellen Zwischenstand ab und wird in den kommenden Planungsphasen laufend ergänzt und verfeinert. Die frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung im Zusammenhang mit dem Ausbau des Kölner S-Bahn-Knotens wird vom Bündnis für Mobilität des Ministeriums für Verkehr maßgeblich gefördert.

Auf der Projektwebsite www.sbahnkoeln.de ist zusammengefasst, welche Anregungen der Bürger aufgenommen werden konnten, welche nicht aufgenommen werden konnten und welche sich noch in der Prüfung befinden. Angesichts der Vielzahl an Wünschen beschränkt sich die Übersicht auf zentrale Themen, die von mehreren Bürgern geäußert wurden.

Die Bürger brachten auch zahlreiche Themen auf den Tisch, die nicht in den Verantwortungsbereich des Streckenausbauprojekts von DB und NVR fallen. Dazu zählen P+R-Parkplätze an den Stationen, die in kommunaler Verantwortung liegen. Allerdings stehen die Projektpartner DB und NVR in engem Austausch mit den Kommunen, um die Parkplatzsituation, wo nötig, weiter zu verbessern und die Wege zwischen der jeweiligen Station und möglichen Parkplätzen nutzerfreundlich zu gestalten.

Glesch: kurze Wege zu neuen Parkplätzen und zum Bus
Für den Haltepunkt Glesch haben DB, NVR und die Stadt Bergheim bereits eine Lösung gefunden und den vielfach genannten Wunsch nach mehr Parkplätzen berücksichtigt. Die Planung sieht nun vor, dass nur ein neuer Bahnsteig an der Position des derzeit südlich gelegenen Bahnsteiges gebaut wird. Die Stadt Bergheim plant in direkter Nähe des zukünftigen Bahnsteiges die P+R-Kapazitäten zu erweitern und eine Bushaltestelle zu errichten. Das macht die Wege vom Auto und vom Bus zur S-Bahn so kurz wie möglich.

Kein Pfeifen und Tuten mehr entlang der Strecke
Viele Bürger kritisierten die derzeitige Lärmbelästigung durch Warnsignale der Züge an ungesicherten Bahnübergängen und die Signaltöne der Sicherungstechnik an Bahnübergängen. Der aktuelle Stand der Planung sieht daher vor, die Bahnübergänge entlang der gesamten Strecke von Horrem bis Bedburg so zu gestalten, dass die Züge keine Warnsignale mehr abgeben müssen: Einige Bahnübergänge werden geschlossen (zum Beispiel am Martinswerk in Bergheim), andere werden technisch gesichert, zum Beispiel durch Schranken. Die Planer haben dabei auch den Bürgerwunsch berücksichtigt, auf akustische Schließsignale an allen Bahnübergängen der Erftbahn zu verzichten. Eine Änderung der Bahnübergänge ist auch erforderlich, um die Höchstgeschwindigkeit von derzeit 60 km/h auf 100 km/h zu erhöhen.

Bedburg: durchgehende Züge Richtung Düsseldorf werden mitgedacht
Für den Bahnhof Bedburg legten die Planer den Bürgern zwei Varianten zur Gestaltung der Bahnsteige vor. Beide Varianten hatten das Ziel, den Umstieg zwischen der Erftbahn Köln – Horrem – Bedburg und der RB 39 Düsseldorf – Neuss – Bedburg zu vereinfachen. Derzeit müssen die Fahrgäste den Bahnsteig noch über Treppen und eine längere Unterführung wechseln. In der Bürgerbeteiligung zeigte sich keine eindeutige Präferenz für eine der Varianten: Beide hatten ähnlich viele Befürworter wie Gegner.

Unabhängig von der Bahnsteiggestaltung äußerten viele Bürger den Wunsch, die Erftbahn nicht mehr in Bedburg enden zu lassen, sondern wieder durchgehende Züge zwischen Köln und Düsseldorf über Bedburg anzubieten. Diese Option hat wegen der Strukturmittel für das Rheinische Revier im Rahmen des Kohleausstiegs jüngst Auftrieb erhalten. Dadurch stehen möglicherweise auch Mittel für den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Richtung Düsseldorf zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund haben sich die Planer in Übereinstimmung mit der Stadt Bedburg für die Variante 1 entschieden. Sie sieht eine Verlängerung der beiden bestehenden Bahnsteige vor, sodass die RB 39 und die S-Bahn auf dem gleichen Gleis hintereinanderstehen können. Im Unterschied zur Bahnsteigvariante 2 wäre eine mögliche Durchbindung der S-Bahn Richtung Düsseldorf so vergleichsweise einfach umsetzbar.

Zieverich: Lage des Haltepunkts noch offen
Zwei Alternativen standen beim Haltepunkt Zieverich zur Diskussion: der Neubau eines Bahnsteigs südlich der Gleise in unmittelbarer Nähe zum heutigen Haltepunkt und der Neubau eines deutlich weiter östlich gelegenen Bahnsteigs in der Nähe der vorhandenen Personenunterführung an Kreishaus und Schulzentrum. Das Für und Wider beider Lagevarianten wurde von den Bürgerinnen und Bürgern lebhaft diskutiert. Aber es ergab sich kein eindeutiges Stimmungsbild für eine der vorgeschlagenen Lösungen.

Auch die Planer haben noch keine abschließende Präferenz. Im Rahmen eines Gutachtens wird die Verkehrssituation im Zentrum von Bergheim untersucht. Eine Simulation soll unter anderem die Frage klären, wie sich durch eine Änderung der Schrankenschließzeiten an den Bahnübergängen Aachener Straße, Lechenicher Straße und Chaunyring die Verkehrssituation ändern würde. Auf Basis dieser Ergebnisse wird die Verkehrsplanung für Bergheim weiterentwickelt. Darauf aufbauend werden die Planungspartner dann auch einen Vorschlag zur Lage des Haltepunktes Zieverich zur abschließenden Festlegung in den Entscheidungsgremien ausarbeiten. Die Erstellung des Gutachtens wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, verzögert aber nicht die weiteren Planungen für den S-Bahn-Ausbau.

Verworfen hat das Projektteam dagegen nach eingehender Untersuchung einen weiteren Alternativvorschlag: Mehrere Bürger brachten eine Verlegung des Haltepunktes nach Norden ins Spiel, wo es ausreichend Platz für Parkplätze gebe. Nach Prüfung durch das Projektteam würde sich dadurch allerdings der Erschließungseffekt für einen Großteil der Bevölkerung in Zieverich verschlechtern und der Weg zwischen Kreishaus und Haltepunkt wäre deutlich länger. Auch aus bahntechnischer Sicht gestaltet sich diese Option schwierig, da sich hier bauliche Überschneidungen mit der Ausweichstelle ergäben und Konflikte mit dem Bahnübergang bestünden.

Horrem: Kürzerer Weg zwischen den Bahnsteigen wird geprüft
Der Hauptkritikpunkt der Bürger an den Planungen in Horrem waren die langen Wege beim Umstieg zwischen der Erftbahn und der Hauptlinie Köln – Aachen sowie den Bussen am Bahnhofsvorplatz. Die Bürger regten an, die Laufwege zwischen dem Kurvenbahnsteig der Erftbahn und den anderen Bahnsteigen zu verkürzen. Das Projektteam hat diese Idee aufgegriffen und prüft in Abstimmung mit der Stadt Kerpen, inwieweit eine Brückenverbindung oder eine Unterführung zwischen den Bahnsteigen – unabhängig vom Projekt S-Bahn-Ausbau – machbar ist.

Lärmschutzmaßnahmen: Grundlagen werden noch erarbeitet
Noch zu früh ist es für detaillierte Informationen zum Lärmschutz entlang der Strecke, für den sich viele Bürger interessieren. Dazu können in der derzeitigen Planungsphase noch keine verbindlichen Aussagen getroffen werden. Sobald es hier neue Erkenntnisse gibt, werden die Projektpartner die Bürger informieren.

Nach Klärung der letzten Grundsatzentscheidungen zur Vorzugsvariante, zum Beispiel über die Lage des Haltepunktes Zieverich, ist die Vorplanung abgeschlossen. Als nächster Schritt folgt die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, in der die Planungsunterlagen detailliert ausgearbeitet werden. Auf dieser Grundlage prüft das Eisenbahnbundesamt dann im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens das Ausbauprojekt intensiv. In diesem Rahmen findet auch eine formelle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie weiterer Träger öffentlicher Belange statt. Erst danach besteht Baurecht.

Alle weiteren Informationen zur Vorzugsvariante stehen auf der Projektwebsite zur Verfügung.

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