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Neuer Arbeitskonflikt beim Postbus: Lohn- und Zeitraub durch neue Dienstpläne

Betriebsrat appelliert an Verkehrsministerin Gewessler und plant Protestmaßnahmen

Wien, 06.06.2020 (BA/gm)
Absurde neue Dienstpläne ab Mitte Juni 2020 sorgen für Proteste in der Postbus-Belegschaft. Nach den Plänen sollen Lenkerinnen und Lenker Früh- und Spätschichten übernehmen und dazwischen mehr als neun Stunden unbezahlt auf der Dienststelle verbringen. Vor allem Lenkerinnen und Lenker in Niederösterreich sind davon betroffen. Der Betriebsrat appelliert an Verkehrsministerin Leonore Gewessler einzuschreiten und kündigt massive Proteste an, die auch zum Ausfall von Bussen führen könnten.

„Die neuen Dienstpläne verstoßen gegen unseren Kollektivvertrag. Das Management betreibt damit nicht nur Lohnraub, sondern stielt den Menschen auch auf unfassbare Weise ihre Lebenszeit. Das ist der Dank dafür, dass unsere Leute für die Menschen selbst am Höhepunkt der Coronakrise den Busverkehr am Laufen gehalten haben. Vor wenigen Wochen waren wir noch die Heldinnen und Helden der Arbeit. Kaum ist die erste Welle überstanden, tritt man unsere Rechte mit Füßen“, erklärte der Vorsitzende des Zentralbetriebsrats beim Postbus, Robert Wurm, am gestrigen Freitag in einer Presseaussendung. 

Der Betriebsrat gibt dazu ein Beispiel: Ein Lenker fängt um 3:41 Uhr seinen Dienst an und fährt bis 7:55 Uhr, steht dann 9:15 Stunden in der Dienststelle und fährt wieder von 17:10 Uhr bis 19:35 Uhr. Er kommt damit auf eine Einsatzzeit von 15:54 Stunden, aber nur 6:30 Stunden davon werden bezahlt. „Die Dienststellen an den Zielorten unserer Postbus-Linien sind in neun von zehn Fällen weit weg von den Wohnorten unserer Lenkerinnen und Lenker. Die meisten haben nicht einmal die theoretische Möglichkeit, in der Stehzeit nach Hause und wieder zurück zur Dienststelle zu kommen“, so Wurm.

Schon vor der Corona-Krise hat das Management an einer Dienststelle einen vergleichbaren Testballon gestartet und ist dafür vom Arbeitsgericht klar verurteilt worden. „Uns ist unverständlich, dass das Management trotzdem weiter versucht, solche unmenschlichen Dienstpläne durchzudrücken. Man muss kein Arbeitsjurist sein, damit einem der Hausverstand sagt, dass man so mit Menschen nicht umgehen kann“, sagt Wurm.

Der Betriebsrat wird dieses Vorgehen mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen und die Kollegenschaft in Form von Betriebsversammlungen informieren. „Zusätzlich werden wir alle Aufsichtsgremien in der ÖBB und die Eigentümervertreterin der ÖBB, unsere Verkehrsministerin Leonore Gewessler, über diese unsoziale Vorgangsweise informieren. Auch im Schatten der Coronakrise und auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bleiben diese Dienstpläne eine unfassbare Sauerei“, so Wurm.

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