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DB wird Ukrainischer Eisenbahn bei Wiederaufbau helfen

Memorandum of Understanding sichert Unterstützung und Zusammenarbeit im internationalen Güterverkehr zu • DB-Chef Richard Lutz: „Wir stehen fest an der Seite unserer Kolleginnen und Kollegen und werden sie als Partner in eine gute Zukunft begleiten“

Berlin, 21.09.2022 (BA/gm)
Die staatliche ukrainische Eisenbahn Ukrsalisnyzja (UZ) kann sich langfristig auf die Hilfe und Unterstützung der Deutschen Bahn verlassen. Eine vertiefte Partnerschaft vereinbarten jetzt in Berlin die Bahnchefs Dr. Richard Lutz und Oleksander Kamyshin in einem Memorandum of Understanding (MoU).

Der Vertrag sichert der UZ Hilfeleistungen beim Wiederaufbau nach dem Krieg zu, beinhaltet die Zusammenarbeit beim Ausbau von Güterverkehrskorridoren und Terminalkapazitäten sowie umfangreiche Beratungsleistungen bei der Einführung europäischer Standards für den Bahnbetrieb und das Management. 

DB-Vorstandsvorsitzender Dr. Richard Lutz: „Wir verfolgen mit größtem Respekt, wie unsere ukrainischen Kolleginnen und Kollegen unter Kriegsbedingungen zuverlässig und mutig ihre Arbeit tun. Für Millionen Menschen ist die Eisenbahn das einzige Transportmittel, für die Wirtschaft ist sie wichtigste Lebensader. Eine funktionierende Eisenbahn ist für den Wiederaufbau des Landes unabdinglich. Deshalb stehen wir als DB und auch mit der gesamten europäischen Bahnfamilie fest an der Seite der ukrainischen Eisenbahn. Es ist uns Ehre und Verpflichtung zugleich, die UZ als Partner in eine gute Zukunft zu begleiten.“

Olexander Kamyshin, CEO der Ukrzalisnyzja: „Die Neuausrichtung des europäischen Eisenbahnsystems auf die neuen Möglichkeiten ist die Priorität auf dem Weg, die Abhängigkeit vom schädlichen Einfluss Russlands zu vermeiden. Ich bin überzeugt, dass die Zusammenarbeit der DB und der Ukrzaliznyzja große gegenseitige Vorteile bringen kann, um den Güterverkehr und die Getreideexporte nach Europa zu steigern. Hier hat die DB eine unbestreitbare Expertise. Ich bin überzeugt, dass unsere Zusammenarbeit zu wertvollen Ergebnissen führen kann. Die Professionalität und Konsequenz der DB, multipliziert mit dem Mut und der Motivation von Ukrzaliznyzja, ist eine starke Synergie, die Europa und den Europäern neue Widerstandsfähigkeit geben und zu mehr Verlagerung auf die Schiene führen kann. Ich danke Dr. Lutz und den Mitarbeitenden der DB für die Unterstützung der Ukraine.“

Bundesminister Dr. Volker Wissing: „Der unglaubliche Mut und Durchhaltewille, mit dem die ukrainischen Eisenbahnerinnen und Eisenbahner gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa unzählige Menschen in Sicherheit gebracht und die Versorgung ihres Landes aufrechterhalten haben, hat mich tief berührt. Für mich ist klar: Die Ukraine erhält weiter jede Unterstützung, die wir bieten können. Langfristig angelegte zivile Kooperationen wie diese, die das Land in dieser entscheidenden Phase des Krieges und darüber hinaus stärken, sind dabei ein wichtiger Baustein.“

DB und UZ haben bereits vor dem russischen Angriffskrieg zusammengearbeitet, um die ukrainische Eisenbahn zu modernisieren und reformieren. Die neue Partnerschaft zielt auf Verbesserungen im Schienengüterverkehr – und hier insbesondere bei Agrartransporten. So werden Experten der DB Cargo dabei helfen, Güter-Korridore und Terminals für den Umschlag zwischen Breitspur und Normalspur neu zu entwickeln oder bestehende zu ertüchtigen.

Dabei ist es bereits möglich, im westlichen Schienennetz der Ukraine einige größere Güterverkehrsknoten mit Waggons auf europäischer Normalspur anzusteuern. Das beschleunigt die Transporte erheblich. Um Getreideexporte in die Europäische Union zu verstärken, wird der Einsatz ukrainischer Getreidewagen geprüft. Die entsprechenden Trichterwagen können wesentlich höhere Mengen aufnehmen als Container. Vor allem die Landesgesellschaften der DB Cargo in Polen und Rumänien fahren hier bereits große Mengen Getreide über grenznahe Schienennetze und helfen so, den immer noch schwierigen Seeweg aus der Ukraine zu entlasten.

Die DB wird weiterhin beim Aufbau von Unternehmensstrukturen bei der UZ helfen, die unter anderem Voraussetzung für den Erhalt von Finanzhilfen für den Wiederaufbau sind. Vorgesehen ist zudem die Lieferung von Ersatzteilen. Auch bei Wagenmaterial wird eine Lieferung geprüft; allerdings ist hier eine aufwändige Umrüstung auf Breitspur erforderlich.

Arbeitsschutzbekleidung im Wert von rund 500.000 Euro hat die DB den Kollegen bereits zur Verfügung gestellt. Auf der Tagung des europäischen Bahnverbandes CER im Juli 2022 in Wien hatten sich die Eisenbahnen bereits zu Soforthilfe verpflichtet und eine ausreichende Finanzierung des „Rebuild Ukraine“-Plans gefordert.

Die ukrainische Eisenbahn ist mit 22.300 Kilometern Streckennetz und rund 250.000 Beschäftigten eine der bedeutendsten Bahnen in Osteuropa.

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