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Nicht verhandeln, aber streiken: „Wer das macht, will Krawall!“

GDL kündigt neuen Warnstreik an • Forderung nach 35-Stunden-Woche ist unseriös • Trotz Streik: City-Bahn organisiert morgendliche Fahrten für Schüler zur Schule

Chemnitz, 07.12.2023 (BA/gm)
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fährt auf Konfrontationskurs: Ab dem heutigen Donnerstag 22.00 Uhr droht ein neuerlicher Streik – diesmal 24 Stunden! Bereits vor zwei Wochen streikten Lokführer 20 Stunden lang. Die Leidtragenden sind wie immer die Fahrgäste.

GDL hat die Verhandlungen mit Bahnunternehmen abgebrochen. Grund: Die Gewerkschaft fordert mit bemerkenswerter Ignoranz der aktuellen Personalsituation stur eine 35-Stunden-Arbeitswoche für die GDL-Mitglieder. Dabei leidet die Bahn-Branche aktuell unter viel zu wenig Personal! 

Friedbert Straube, Geschäftsführer der City-Bahn Chemnitz: „Das Zu-Wenig an qualifizierten Lokführern in der Branche beträgt um die 10 Prozent. Diese Lücke zu schließen, ist die Herausforderung der nächsten Jahre – zumal auch noch viele Lokführer vor dem Renteneintritt stehen. Da helfen nur drei Dinge: ausbilden, ausbilden und dann noch mehr ausbilden! Das machen wir: Fast 80 Lokführer haben wir in den letzten 6 Jahren ausgebildet. Zurzeit lernen 20 Frauen und Männer bei der City-Bahn den Beruf des Lokführers. Eine Ausbildungsquote von 20 Prozent!“

Fünf Gründe, wieso die City-Bahn so viele ausbildet:

  • Personallücke schließen, Überstunden auf null bringen,
  • mitarbeiterfreundliche Dienste bilden,
  • möglichst vielen Lokführern gleichzeitig den Urlaub zu ihren Wunschterminen ermöglichen,
  • Teilzeit für Kollegen mit kleinen Kindern oder pflegebedürftigen Eltern ermöglichen,
  • interessierten Lokführern die interne Weiterqualifikation für Aufgaben in der Betriebssteuerung und – Organisation ermöglichen.

Mit der der hohen Ausbildungsquote sorgt die City-Bahn Chemnitz für optimale Arbeitsbedingungen für die Kollegen im Schichtdienst und steuert gleichzeitig drohenden Engpässen in der Versorgung entgegen. Es ist aktuell ein bedauerlicher Trend, dass bundesweit Bahnverbindungen wegen fehlenden Personals ausfallen.

Friedbert Straube: „In einer solchen Situation die 35-Stunden-Woche zu fordern, ist – freundlich formuliert: unseriös. Lieber 38 Wochenstunden und gute Arbeitsbedingungen statt 35 Stunden und ausgelutschte Dienstpläne.“

Das Angebotspaket, mit dem die City-Bahn in die Verhandlungen gegangen war, klingt für viele andere Branchen unerreichbar: Zwischen 10 und 14 Prozent mehr Gehalt, 11 Prozent höhere Zulagen für Nacht- und Feiertagsarbeit, bis zu 3.000 Euro Einmalzahlung netto. Trotzdem brach die GDL die einzige Verhandlung bereits nach einer Stunde ab und mehr als 23 der 26 Forderungspunkte wurden gar nicht gesprochen!

Friedbert Straube: „20 Stunden und dann nochmal 24 Stunden streiken, aber kaum eine Stunde verhandeln. Wer das macht, will Krawall, aber wahrscheinlich gar keine Lösung. Es tut mir leid, dass nun wieder die Fahrgäste durch die GDL in Mitleidenschaft gezogen werden.“

Die City-Bahn versucht, für den morgendlichen Schülerverkehr Lösungen zu finden.

Auf der Homepage (www.city-bahn.de) informiert sie Schüler und Eltern über etwaige Sonderverbindungen sowie alle übrigen Fahrgäste über die letzten verfügbaren Zugverbindungen vorm Streikbeginn. Gleiches gilt für die ersten regulären Züge nach dem Streik. Zusätzlich stellt die City-Bahn dort wiederholt alternative Busverbindungen für ihre Fahrgäste zusammen.

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