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Wissenschaftler für Magnetschnellbahn in Brasilien

Vorentscheidung im Verkehrsministerium am 3. August in Berlin 2010 – Angebot wird auch aus China für eine Magnetschnellbahn erwartet

München/Dresden, 02.08.2010 (BA)
Am 3. August 2010 treffen sich Industrie und Politik im Verkehrsministerium in Berlin unter Leitung von Staatssekretär Rainer Bomba zum Gespräch über die Wettbewerbsbeteiligung am Projekt für Hochgeschwindigkeitsbahnen in Brasilien. Es werden Teilnehmer aus der Industrie von der Siemens AG, ThyssenKrupp AG, der IABG und der Max Bögl GmbH als ein Federführer für das Magnetbahn-System erwartet. Renommierte Verkehrswissenschaftler der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) und des International Maglevboard e.V. fordern deshalb dringend im Vorfeld des Treffens, dass das deutsche Magnetschnellbahnsystem dabei angeboten wird.

Das brasilianische Projekt für Hochgeschwindigkeitsverkehr sieht vor, die Städte Rio de Janeiro, Sao Paolo und Campinas zu verbinden. „Die über 500 km lange Hochgeschwindigkeitsstrecke wird den umweltschädlicheren Flugverkehr weitgehend ersetzen“, sagt Prof. Dr. Johannes Klühspies, Präsident des International Maglevboard e.V. „Es handelt sich hierbei um eine der am dichtesten beflogenen Kurzstreckenverbindungen der Welt“, so Klühspies weiter. Erste Ergebnisse einer Vorstudie zu diesem Projekt haben auf der topographisch anspruchsvollen Strecke erhebliche Vorteile für die Magnetschnellbahn-technologie aufgezeigt. „Sie ist schneller und erheblich kostengünstiger im Bau“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Rainer Schach, Vorstandsmitglied im Kompetenzzentrum für Hochleistungsbahnen und Magnetbahnsysteme an der TU Dresden. Sein Vorstandskollege Prof. Dr. Arnd Stephan ergänzt: „Auf der Strecke zwischen Sao Paulo und Campinas würden für herkömmliche Schnellzüge 44 km Tunnelstrecke benötigt, die aufwendig gebohrt werden müssen. Bei einem Einsatz von Magnetschnellbahnen wird dagegen die Tunnelstrecke um etwa 90 Prozent auf 4 km reduziert“.

Verkehrsexperten erwarten, dass sich neben deutschen und französischen Unternehmen auch japanische und chinesische Firmen an der Ausschreibung beteiligen werden. Besondere Aufmerksamkeit hat ein chinesisches Konsortium hervorgerufen, das nicht nur Schnellzüge anbieten wird, sondern eine eigene Magnetschnellbahn nach deutschem technischem Prinzip und zudem weitreichende, staatliche geförderte Finanzierungskonzepte einzubringen scheint. „Wir erwarten durch das Magnetschnellbahnangebot aus China eine Zäsur für den gesamten Markt“, verdeutlicht Prof. Dr. Klühspies. „Dies wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf laufende Hochgeschwindigkeitsprojekte auch in den USA, Russland sowie Japan nach sich ziehen“.

Die deutsche Bahnindustrie hat sich bisher kaum mit Angeboten für Magnetschnellbahnen an Ausschreibungen beteiligt. Ein Grund: hohe Umsätze werden vor allem mit langjährigen Wartungs- und Instandhaltungsverträgen bei Rad-Schiene-Systemen erzielt. Bei Magnetschnellbahnen sind dagegen solche Aufwendungen wegen der weitgehenden Verschleißfreiheit erheblich reduziert.

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