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TWINDEXX – Der neue Doppelstock-Intercity der Bahn

TWINDEXX - Der neue Doppelstock-Intercity der BahnBerlin, 12.01.2011 (BA/kmn)
Erst im Jahr 2016 soll der neue ICx flächendeckend eingesetzt werden können. Noch viel Zeit wenn man bedenkt, in welch desolatem Zustand die zahlreichen IC-Züge bereits unterwegs sind. Zahlreiche Linien wurden aufgrund von Fahrzeugmangel bereits empfindlich geschrumpft. Zur Entlastung der aktuellen Fahrzeug-Situation mussten sogar bereits verkaufte Fahrzeuge aus den Niederlanden zurückgekauft werden. Doch reicht dies bei weitem nicht aus um den derzeitigen Engpass zu kompensieren.

BahnaktuellDa es in absehbarer Zeit nicht möglich ist, genügend neue Fahrzeuge zu beschaffen und man mit der Abnahme neuer Fahrzeuge durch das Eisenbahn-Bundesamt momentan erhebliche Probleme hat (z.B. Talent 2), bedient sich die Bahn nunmehr einer Notlösung, um in absehbarer Zeit zumindest mehr Reservezüge vorhalten zu können. Auch soll auf diesem Wege der Spielraum erhöht werden, der für die Modernisierung der IC-Bestandsflotte erforderlich ist.

Um die Problematik der Neuzulassung durch das EBA zu umgehen setzt man auf Fahrzeuge, die seit Jahren deutschlandweit ohne nennenswerte Störungen verkehren – Doppelstockwagen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und einer modifizierten Innenausstattung sollen sie zukünftig mit Lokomotiven der Baureihe 146.2 auch im IC-Dienst eingesetzt werden.

27 fünfteilige Einheiten sollen dazu bis Ende 2013 im Bombardier-Standort Görlitz entstehen. Die Züge bestehen künftig aus je einem Steuerwagen mit behindertengerechter Ausstattung und Tiefeinstieg, einem Wagen 1. Klasse, sowie 3 Wagen 2. Klasse. Die Mittelwagen verfügen im Gegensatz zu den Steuerwagen über Hocheinstiege über den Drehgestellen. Im Vergleich zu den Regionalbahn-Wagen, werden die IC-Mittelwagen über zwei Toiletten verfügen.

Obwohl man während der heutigen Pressekonferenz (12.1.2011) noch keine weiteren Angaben zur Ausstattung der Züge machen wollte, konnte man einige Details bereits anhand der Präsentation erkennen. Die Sitzanordnung und Raumteiler lassen durchaus Vergleiche zu den vor kurzem in Betrieb genommenen Doppelstockwagen des Magdeburg-Berlin-Express zu. Neue Systemsitze mit großzügigem Sitzabstand, Steckdosen an allen Plätzen und feste Tische auch in der zweiten Klasse sind typische Komfortmerkmale, die auch in den neuen Intercity-Wagen zu finden sein werden. Auch die modularen Gepäck-Racks, die man hier bereits kennengelernt hat, findet man zukünftig auch in den IC-Dosto’s wieder. Im Gegensatz zu den RE-Wagen wird es im Doppelstock-IC möglich sein, Sitzplätze zu reservieren, und auch ein spezielles Familien-Abteil wird Bestandteil der neuen Einheiten. Abgerundet wird die Ausstattung durch zahlreiche neuartige Features und Markierungen, die besonders mobilitätseingeschränkten und blinden Fahrgästen zu Gute kommen werden. Einige Doppelstockwagen im Raum Frankfurt verfügen beispielsweise bereits über derartige, taktile Kennzeichnungen. Die Doppelstocksteuerwagen basieren auf der Plattform der neuesten Regionalexpress-Wagen, die im Vergleich zu den Vorgängern über ein etwas kleineres, mittig angeordnetes WC verfügen. Die runde Bauform der Nasszelle ermöglicht die bessere Erreichbarkeit von beiden Wagenseiten. Ferner werden mobilitätseingeschränkte Fahrgäste nicht mehr im Mehrzweckbereich untergebracht, wo sie einst nur neben Fahrrädern und Großgepäck Platz fanden. Zukünftig ist dieser spezielle Bereich vom Vorraum abgetrennt und auch die Begleitpersonen können zukünftig auf richtigen Sitzen Platz nehmen, so dass sie nicht mehr mit den Klappsitzen vorlieb nehmen müssen. Ein Vergleich mit den Schweizer-Doppelstockzügen zwingt sich hier regelrecht auf.

Doch die neue Intercity-Generation hat auch einen Nachteil, der sicher zahlreichen Fahrgästen bitter aufstossen wird – die Zugeinheit wird zukünftig aus Platzgründen auf ein Bistro verzichten. Stattdessen wird ein Am-Platz-Service mit dem sogenannten ‚Snack-Caddy‘ angeboten. Ein Konzept, welches bereits im ICE3 auf wenig Gegenliebe gestossen ist, da das Imbiss-Angebot doch recht beschränkt ist. Dass es auch anders geht, beweisen die großzügigen Regio-Bistro’s, die man in den RE-Zügen des ‚Rhein-Haardt-Express‘ in Nordrhein-Westfalen vorfindet, oder eben die Dosto-ICs der Schweizerischen Bundesbahn.

Ob die Doppelstock-IC-Wagen nur eine Zwischenlösung sind, oder ob sie zukünftig die bisherigen IC-Züge komplett verdrängen werden wird sich zeigen. Vielleicht kehrt man aber auf diesem Wege wieder zu einer Kombination von Intercity und Regionalexpress zurück, die mit dem einstigen InterRegio vergleichbar ist, der eine schnelle und beliebte Verbindung in der Fläche sicherstellte. Auch wenn man in den Doppelstockwagen sicherlich einige Ausstattungsdetails vermissen wird, die in den heutigen Intercities noch zum alltäglichen Standard gehören (Abteile in der 1. Klasse, verstellbare Sitze, Zugbistro oder Restaurant), stellte man bereits in der heutigen Pressekonferenz klar, dass es zukünftig keinen speziellen Fahrpreis für die Doppelstockwagen geben wird, sondern sich dieser am bisherigen IC-Preis der Produktklasse ‚B‘ orientiert. Auch auf die Reisezeiten sollen die neuen Züge keinen negativen Einfluss haben.

Abschliessend noch einige Eckpunkte zur neuen Fahrzeugbeschaffung:

  • Insgesamt 400 Millionen Euro investiert die Bahn in 27 fünfteilige Einheiten.
  • Jede dieser Einheiten verfügt über 469 Sitzplätze, davon 70 in der 1. Klasse.
  • Die Wagen erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h.
  • Für die Traktion sorgen E-Loks der Baureihe 146.2
  • Niederflureinstiege ermöglichen wesentlich bessere Bedingungen für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste.
  • Insgesamt 10 Fahrradstellplätze verteilen sich über den gesamten Zugverband
  • Steckdosen und Repeater für optimierten Handy-Empfang sorgen für zusätzlichen Reisekomfort
  • Zahlreiche Gepäck-Racks und Mehrzweckbereiche sorgen für ausreichend Stauraum
  • Einführung eines Am-Platz-Service durch Verzicht auf Bistro

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