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Neue OZ: Kommentar zum Transrapid-Prozess

Täter und Opfer

Osnabrück, 04.03.2011 (BA)
Es ist tragisch: Mehr als 20 Jahre ging alles gut, drehte der Transrapid Runde um Runde auf seiner Teststrecke im Emsland. Doch dann kam jener 22. September 2006, an dem das fast Unglaubliche passierte: Gleich drei Männer, zwei Fahrdienstleiter und der Fahrzeugführer, machten folgenschwere Fehler. Und das auch noch im selben Moment. Hätte nur einer von ihnen besser aufgepasst: 23 Menschen könnten noch leben. So aber führte kollektives Versagen in die Katastrophe.

Die Lehre daraus kann nur sein, in hochmoderne Verkehrssysteme noch mehr technische Sicherungen einzubauen. Denn menschliche Fehler lassen sich niemals ausschließen, vor allem dann nicht, wenn jahrelange Routine die Aufmerksamkeit sinken lässt.

Nachhaltigen Trost für die Hinterbliebenen der Unglücksopfer gibt es indessen nicht, jedenfalls nicht aus dem Gerichtssaal. Denn kein Urteil der Welt kann die Menschen zurückbringen, die auf so tragische Weise ihr Leben lassen mussten. Ein wenig Erleichterung ist aber immerhin zu spüren. Erleichterung darüber, dass das strafrechtliche Verfahren jetzt abgeschlossen ist. Damit endet zwar noch lange nicht die Trauer um die Toten, wohl aber beginnt eine Zeit, in der die Wunden nicht mehr so häufig aufgerissen werden.

Überdies ist es gut, dass die beiden Verurteilten sich klar zu ihrer Verantwortung bekannt und glaubhafte Worte des Bedauerns gefunden haben. Das war Balsam für viele Betroffene. Und es wurde deutlich, dass beide Männer nicht nur Täter sind, sondern zugleich auch Opfer.

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