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Geburtstagskind im Herzen Kölns: Hohenzollernbrücke wurde heute 100 Jahre jung

Düsseldorf/Köln, 22.05.2011 (BA/gm)
Bahnaktuell„Nächster Halt Köln Hauptbahnhof!“ Sobald ein Zug auf die Hohenzollernbrücke rollt, drückt sich darin so manches Gesicht an die Fensterscheibe, um auf Rhein und Dom zu blicken. Die Aussicht bringt Reisende aus der Ferne zum Staunen und entlockt vielen Kölnern immer wieder ein stilles Lächeln. Doch nicht nur auf der Hohenzollernbrücke wird Kölns markantes Panorama bewundert – eines der beliebtesten Foto- und Postkartenmotive ist die Brücke selbst. Zusammen mit Dom und Rhein ist sie das Wahrzeichen der Stadt. Erbaut in den Jahren 1907 bis 1911 feiert das Bauwerk aus der Kaiserzeit in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag.

Die Hohenzollernbrücke ist genau auf die Mittelachse des Kölner Doms ausgerichtet. Zur Harmonie des Bildes tragen die drei grün gestrichenen Stahlfachwerkbögen bei, die sich über die rund 413 Meter lange Brücke spannen. 29,5 Meter sind die drei nebeneinander liegenden Brückenzüge zusammen breit. Sie umfassen sowohl sechs Eisenbahngleise, über die täglich rund 1.500 Züge fahren, als auch die beiden äußeren Fuß- und Radwege.

Neue und alte Schmuckstücke
Zwischen Passanten und Gleisen fallen die so genannten „Liebesschlösser“ an den Zäunen ins Auge: tausende Vorhängeschlösser, die Paare als ein Symbol ihrer Verbundenheit dort anbringen. Den Schlüssel werfen sie gemeinsam in den Fluss – dann hält, wenn man fest daran glaubt, die Liebe ewig. Dieser romantische Brauch stammt vermutlich aus Italien. Seit etwa drei Jahren ist er in Köln so beliebt, dass mittlerweile rund zwei Tonnen Liebesschlösser die Hohenzollernbrücke schmücken. „Dieses Gewicht trägt das 24.000 Tonnen schwere Bauwerk mit Leichtigkeit“, erklärt Karl-Heinz Schorn von DB Netz. „Sie müssen sich vorstellen, dass allein ein Regionalexpress mit fünf Doppelstockwagen ohne Fahrgäste fast 350 Tonnen wiegt. Da fallen die Schlösser nicht ins Gewicht.“

Weitaus historischer als die Liebesschlösser ist die Dekoration der Rampen: Vier Reiterstandbilder zieren die Seiten. Sie zeigen preußische Könige und deutsche Kaiser aus der Hohenzollern-Dynastie. Gleich neben dem Museum Ludwig steht die bekannteste Figur: Kaiser Wilhelm II. Er selbst förderte den Bau der Hohenzollernbrücke und beteiligte sich maßgeblich an ihrer Gestaltung. Am 22. Mai 1911 kam er sogar zur Einweihungsfeier. Noch heute ist das Denkmal für Historiker etwas ganz besonderes: „An der Kölner Hohenzollernbrücke steht das einzig erhaltene Reiterstandbild Wilhelms II. aus der Regierungszeit des Kaisers“, weiß Dr. Alexander Kierdorf, Experte für Kölner Architekturgeschichte und Bautechnik. Um beim Spaziergang über die Brücke Eindruck zu schinden, sollte man sich auch die Namen der drei weiteren Reiterfiguren merken: Kaiser Friedrich III. steht ebenfalls auf der linken Rheinseite, rechtsrheinisch sind Kaiser Wilhelm I. und König Friedrich Wilhelm IV. zu sehen – die beiden ältesten Denkmäler, die bereits die abgerissene Dombrücke flankierten. „Wer sich die Namen Wilhelm und Friedrich merken kann, hat also gute Chancen, einen Treffer zu landen“, so Kierdorf.

Auf den Spuren der alten Hohenzollernbrücke
Im Laufe der letzten 100 Jahre hat sich die Hohenzollernbrücke immer wieder verändert. „Wer aufmerksam hinschaut, kann auch als Laie zum Brückenfachmann werden“, sagt Kierdorf. Die drei Stahlbögen sehen zunächst gleich aus. Aber bei genauerem Hinsehen lässt sich ein aufschlussreicher Unterschied erkennen: Die Eisenteile sind an einigen Bögen genietet und miteinander verschraubt, andere Teile wurden jedoch geschweißt. „Die unterschiedlichen Verbindungstechniken sind ein Hinweis dafür, dass die Stücke unterschiedlich alt sind“, weiß der Brückenexperte. „Das Nieten war eine mühsame Handarbeit, auf die man seit den 1960er Jahren verzichtet. Die Eisenflächen mussten übereinander gelegt werden, während sie beim Schweißen stumpf aneinander gestoßen werden können. Letzteres spart nicht nur Material; die Konstruktion weist auch weniger Oberflächen und Spalten auf, so dass sie nicht so aufwändig gewartet werden muss.“

Auf der Deutzer Seite finden sich Hinweise darauf, dass die Hohenzollernbrücke früher einmal breiter war. An der Rampe, auf der noch heute Straßenbahnschienen liegen, stößt man auf ein Straßenbett. Bis zum Zweiten Weltkrieg fuhren hier nicht nur Züge, sondern auch Autos und Straßenbahnen über den Rhein. Die Dom- und dann die Hohenzollernbrücke war nämlich zunächst die einzige feste Verbindung über den Strom gewesen und musste deshalb alles und jeden an das andere Ufer bringen können. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde der Straßenteil jedoch nicht wieder aufgebaut – ein erhaltenes Segment führt heute in Duisburg über die Ruhr. Die Deutzer Brücke, die man nach dem Krieg zuerst wiederhergestellt hatte, nahm in Köln den Auto- und Straßenbahnverkehr auf.

Der Wiederaufbau nach 1945 erfolgte schrittweise. Zunächst wurde die Hohenzollernbrücke mit zwei Eisenbahngleisen wiederhergestellt. In den 1950er Jahren erweiterte man sie um zwei weitere Gleise. Schließlich fügte man von 1985 bis 1989 die Nahverkehrsgleise auf der Nordseite hinzu.

Erweiterung des Nadelöhrs
Vor der Hohenzollernbrücke stand an gleicher Stelle übrigens schon einmal eine andere Brücke, die zweispurige „Dombrücke“. Die Dombrücke, die man aufgrund ihres Aussehens „Mausefalle“ nannte, war etwa ein halbes Jahrhundert lang der einzige feste Kölner Rheinübergang. „Nachdem man bis 1894 die Kölner Bahnanlagen umgestaltet hatte, fuhren immer mehr Züge den Hauptbahnhof von beiden Rheinseiten aus an“, berichtet Schorn. „Die zweigleisige Dombrücke entsprach den Anforderungen dieses wachsenden Verkehrsaufkommens nicht mehr: Das Nadelöhr der zahlreichen sich dort bündelnden Linien musste dringend um zusätzliche Gleise erweitert werden.“ Doch ein Anbau war nicht möglich: Auch die benötigte Stromversorgung für die elektrische Straßenbahn ließ sich nicht beliebig ausdehnen. Und so fiel die Entscheidung auf den Neubau.

Doch wie hält man den Verkehr über eine Brücke aufrecht, an deren Stelle eine neue gebaut werden soll? „Man errichtete rechts und links der Dombrücke jeweils einen Brückenzug und entfernte schließlich das dazwischen liegende alte Stück“, erklärt Kierdorf. „Dann baute man in der Mitte weiter und verband die drei Teile.“ Beim Unterbau ging man ähnlich vor. Die alte Brücke stand auf drei Pfeilern, zwischen die man die beiden neuen setzte.

Dom und Brücke – auf einer Linie
Neben den beiden Reiterstandbildern ist von der Dombrücke vor allem eins übrig geblieben: die Lage mit Ausrichtung auf den Kölner Dom. Man sagt, dies sei ein Wunsch des preußischen Königs gewesen, der auch den Bau des Doms sehr gefördert hatte. „Belegt ist dies allerdings nicht“, merkt Kierdorf an.

Weil die Brücke auf den Dom zeigt, müssen alle Züge eine enge Kurve von rund 45 Grad fahren, um in den oder aus dem Hauptbahnhof zu rollen. „Die Kurve ist eine wahre Besonderheit“, sagt Schorn. „Über eine halbe Million Züge fahren jährlich durch die Kurve und über die Weichen zum Hauptbahnhof. Daher müssen wir sie häufiger erneuern als das normalerweise der Fall ist, etwa alle sechs Jahre.“ Und so erhält die Hohenzollernbrücke auch zu ihrem 100. Geburtstag neue Weichen.

Zahlen, Daten und Fakten rund um die Hohenzollernbrücke

Allgemein

  • Hauptteile: 3 Brückenzüge mit stählernen Überbauten
  • Länge: 413,576 m
  • Breite: 40,3 m (ohne Gehwege 32,8 m)
  • Höhe: mittlerer Bogen: ca. 31 m
    äußere Bögen: ca. 22m
  • Gewicht: 24.000 t; Gewicht der Liebesschlösser: ca. 10-20 t
    Zum Vergleich: Ein Regionalexpress mit 5 Doppelstockwagen wiegt ohne Fahrgäste ca. 350 t.
  • Material:
    Bögen: Stahlkonstruktion
    Pfeiler: Beton

Verkehr

  • Gleise: 6 Gleise (4 Gleise für Fern- und Regionalverkehr und 2 S-Bahn-Gleise)
  • Aufkommen: ca. 1.200 Züge täglich
  • Geschwindigkeit: max. 60 bzw. 80 km/h

Lage

  • Standort: bestimmt durch die ehemalige Dombrücke, die durch die Hohenzollernbrücke ersetzt wurde
  • Querung: quert den Rhein (Rheinstromkilometer 688,5)
  • Bahnhöfe: verbindet Hauptbahnhof mit Köln Messe/Deutz
  • Ausrichtung: auf die Mittelachse des Kölner Doms
    Zwischen Hohenzollernbrücke und Hauptbahnhof fahren die Züge daher eine sehr enge Kurve von rund 45 Grad.

Chronik

  • 1855-59: Bau der Dombrücke („Mausefalle“), bestehend aus einer Eisenbahn- und einer Straßenbrücke
  • 1907-1911: Bau der Hohenzollernbrücke (19. Juni 1907 bis 23. März 1911) bei sukzessivem Abbruch der Dombrücke
  • 22. Mai 1911: Einweihung durch Kaiser Wilhelm II (er selbst enthüllte das Standbild Kaiser Friedrichs III)
  • 08. März 1945: Sprengung zerstört die Hohenzollernbrücke (Einmarsch der amerikanischen Truppen im linksrheinischen Köln)
  • nach 1945: Wiederaufbau als reine Eisenbahnbrücke mit Rad- und Fußgängerwegen
  • bis 1959: viergleisiger Ausbau sowie vollständiges Abtragen der ursprünglichen Portalbauten und Brückentürme
  • 1985-1989: Erweiterung um einen Brückenteil für die S-Bahn-Gleise

Architektur

  • Typ: Stahlfachwerkbogenbrücke mit steinernen Brückenköpfen
  • Standbilder: insgesamt 4 Reiterstandbilder preußischer Könige und deutscher Kaiser der Hohenzollernfamilie an den Rampen
  • rechtsrhein.: König Friedrich Wilhelm IV von Preußen (Bildhauer Gustav Blaeser)
    Kaiser Wilhelm I (Bildhauer Friedrich Drake)
  • linksrhein.: Kaiser Friedrich III (Bildhauer Louis Tuaillon)
    Wilhelm II (Bildhauer Louis Tuaillon)
  • Landpfeiler: ursprünglich auf beiden Rheinseiten Landpfeiler mit je 2 Türmen und gewölbten Toren zu den Brückenzügen.Die Portalbauten und Brückentürme wurden nach ihrer Beschädigung im 2. Weltkrieg nicht wieder hergestellt und schließlich 1958 vollständig abgetragen
  • Architekt: Franz Schwechten, Berlin, unter Beteiligung von Wilhelm II

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