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Berlin: Die U55 ist fertig gestellt

Berlin, 08.08.2009 (BA)
BahnaktuellAm heutigen Sonnabend wurde der 1,8 Kilometer lange Abschnitt der Verlängerung der U5 mit den Stationen Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor für den Fahrgastbetrieb eröffnet.

Die Erweiterung der U-Bahnlinie 5 ist von den Planungen her keine neue Idee. Bereits seit 1919 gibt es Vorstellungen, eine Ost-West-Linie durch Berlin zu bauen. Durch die Teilung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Verbindung zwischen den östlichen und westlichen Bezirken ihre Bedeutung, dies änderte sich durch die Wiedervereinigung.

Mit dem Hauptstadtvertrag hatten sich der Bund und das Land Berlin Anfang der 1990er Jahre darauf geeinigt, die U5 zwischen Alexanderplatz und Hauptbahnhof (damals noch Lehrter Bahnhof) zu bauen. Mit der U5 sollen vor allem die wichtigen Quellgebiete aus den Großsiedlungen im Ostteil Berlins die Innenstadt besser erreichen können. Ursprünglich sollte diese U-Bahnlinie innerhalb von acht Jahren fertig gestellt sein. Der Bau sollte in zwei Abschnitten (Hauptbahnhof bis Pariser Platz und Pariser Platz bis Alexanderplatz) erfolgen. Der Rohbau zwischen Hauptbahnhof und Pariser Platz wurde im Zuge der umfangreichen Bauarbeiten im Regierungsviertel miterrichtet.

Im Juni 2001 hatte der Senat von Berlin aus Kostengründen beschlossen, den Weiterbau der U5 zunächst auszusetzen. Im März 2004 wurde es durch eine Einigung zwischen der Bundesregierung und dem Senat dann doch möglich, weiter zu bauen. Mit dem Bau des U-Bahnhofs Brandenburger Tor und der Fertigstellung der Tunnel wurde die BVG von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beauftragt.

Da dieses Bauvorhaben durch das historische Zentrum Berlins und so prominente Orte wie den Pariser Platz und den Boulevard Unter den Linden führte, wurde darauf verzichtet, mit einer großen, offenen Baugrube zu arbeiten. Aufgrund der sensiblen Umgebung und des schwierigen, grundwasserreichen Untergrunds am Brandenburger Tor kamen besonders behutsame Bauverfahren zur Anwendung, weshalb sich die Fertigstellung des U-Bahnhofes insgesamt verzögerte. Für die gesamte Baumaßnahme gibt es einen Planfeststellungsbeschluss von 1999. Der Lückenschluss zwischen Pariser Platz und Alexanderplatz beginnt 2010. Mit der Fertigstellung des U-Bahnhofs Brandenburger Tor kann nun der Verkehr auf dem ersten Abschnitt aufgenommen werden. Als Teilstück der großen Linie U5 bekommt dieser Abschnitt den Arbeitstitel U55. Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme liegen bei 320 Millionen Euro.

Auch wenn Berlins neuste U-Bahnlinie nur drei Bahnhöfe umfasst, ist ihre verkehrliche Bedeutung nicht zu unterschätzen. Erstmals bietet sich jetzt eine schnelle, umsteigefreie Verbindung vom Hauptbahnhof mitten ins Regierungsviertel und zur S-Bahnlinie S1, die Mitarbeiter der Bundesverwaltungen und Touristen schnell schätzen lernen werden. Auch bei Veranstaltungen in diesem Bereich wird die U55 ihre Bedeutung unter Beweis stellen können. Einen Anziehungspunkt nicht nur für Fahrgäste werden zudem die drei neuen U-Bahnhöfe bieten. Neben dem U-Bahnhof Hauptbahnhof in seiner klaren Eleganz beeindruckt vor allem der von Axel Schultes konzipierte U-Bahnhof Bundestag mit seiner knapp 10 Meter hohen Säulenhalle und der U-Bahnhof Brandenburger Tor, der neben seiner verkehrlichen Funktion zugleich ein Ort der Information ist zur wechselhaften Geschichte des Pariser Platzes und der Berliner Mauer an diesem zentralen Ort deutscher Geschichte.

Bauvorhaben U55

  • Länge des Rohbautunnels circa 1,8 Kilometer,
    davon 400 Meter unterirdisch – mittels Schildvortrieb (Tunnelröhre) zwischen Bundestag und Brandenburger Tor und 1.500 Meter in offener Baugrube als Rechtecktunnel zwischen Bundestag und Hauptbahnhof errichtet.
  • Ausbaulänge circa 1,8 Kilometer, eingleisig.
    Bahnhofsabstand Brandenburger Tor – Bundestag circa 680 Meter
    Bahnhofsabstand Bundestag – Hauptbahnhof circa 610 Meter
    Streckenlänge des provisorischen Betriebes circa 1.470 Meter
  • Im Anschluss an den Hauptbahnhof wurden Betriebsgleise einschließlich drei einfacher Weichen mit einer Länge von circa 540 Meter errichtet, die der Abstellung, der Reinigung, der Durchführung von Revisionen, der Wartung und Reparatur der Fahrzeuge sowie des Rangierens dienen.
  • Die Herstellung der Gleise erfolgte überwiegend als „Schweres-Masse-Feder-System“, das heißt: Einbau von Stahlbeton-Gleiströgen, die auf Elastomer-Streifenlagern verlegt werden; die Betontröge werden mit Gleisschotter verfüllt in dem dann Holzschwellen und Schienen eingebaut werden. Diese Konstruktion dient der Verhinderung der Übertragung von Körperschall auf die an der Oberfläche befindlichen Bauwerke.
  • Im Bereich der Spreeunterfahrung zwischen Bundestag und Hauptbahnhof sowie im Weichengebiet des Hauptbahnhofes reicht die Verlegung des Gleises in einfachem Schotterbett aus.
  • Der Bereich der Reinigungsgleise und der behelfsmäßigen Werkstatt wird aus Gründen der Minimierung der Konstruktionshöhe als „Feste Fahrbahn“ (Gleisaufbau direkt auf der Tunnelsohle) hergestellt.
  • Einbau von Aluminium-Stahl-Verbund-Stromschienen.
  • Wehrtore vor und hinter der Spree zur Verhinderung einer Überflutung der Strecke bei Wassereinbruch.

U-Bahnhof Hauptbahnhof

  • Der U-Bahnhof liegt nördlich als eigenständiges Tunnelbauwerk neben dem Bahnhof der Deutschen Bahn.
  • Das Bauwerk erstreckt sich insgesamt über eine Länge von circa 320 Metern und circa 20 Meter Höhe.
  • Die Bahnsteighalle mit Mittelbahnsteig umfasst 140 Meter Länge, 11 Meter Höhe und 19 Meter Breite. Westlich und östlich kommen Trompetenbereiche mit Betriebsräumen und einem Gleichrichterwerk dazu.
  • Der Bahnsteig wurde in Granit belegt und mit einem Blindenleitsystem ausgestattet.
  • Hinter den Gleisen wurden zwei Wandfriesen aus Emailleplatten auf der Rohbetonwand angebracht, Höhe 5 Meter und Länge 135 Meter. Im Mittelbereich davon werden auf jeder Gleisseite sechs großformatige Drucke auf der Grundlage historischer Fotografien und Stiche die wichtigsten Berliner Bahnhöfe um die Jahrhundertwende darstellen. Die Bildauswahl soll den Bezug zwischen den ehemaligen Kopfbahnhöfen zu einem zentralen Hauptbahnhof herstellen.
  • Zwei horizontale Fachwerkträger wurden zur Montage der Beleuchtung, Beschallung und Fahrgastinformation parallel zur Bahnsteigkante von der Hallendecke abgehängt. Zusätzlich werden farbige Lichteffekte den Deckenraum über dem Bahnsteig illuminieren.
  • Drei Treppenanlagen erschließen die Ebene -1, eine auf Fahrgastanforderung im Wechselbetrieb laufende Fahrtreppe erschließt die mittlere Verteilerebene und ein Aufzug führt zu Ebene -1 und der Straße.
  • Die Verteilerebenen besitzen einen Granitbodenbelag und ein Blindenleitsystem.
  • Am östlichen Hallenende und in etwa mittig zur Halle liegen in der Ebene -1 jeweils eine Verteilerebene als Übergangsbauwerk zur Fernbahn und zu den Außenausgängen.
  • Am westlichen Hallenende schließt in der Ebene -1 eine circa 2000 Quadratmeter große Verteilerebene an. Hier sind in Rohbau zehn Übergänge zur Fernbahn und den zukünftigen Bauwerken S-Bahntunnel der S21 und Bebauung am Humboldthafen sowie zwei Treppenzugänge zu den Straßeninseln der zukünftigen Straßenbahn und eine Ausgangstreppe nördlich der Invalidenstraße vorbereitet.
  • Ausgebaut wurden davon vorerst nur ein Übergang zur Fernbahn und der Straßenausgang. Die übrigen Rohbaunischen werden mit einer durchlaufenden Wandbekleidung, entsprechend den Wandfriesen in der Bahnsteighalle in weißer Emaille, überdeckt.
  • Entsprechend wurden auch alle Wandflächen im Griffbereich an den Bahnsteigaufbauten und den Übergangsbauwerken bekleidet.
  • Die Verteilerhallen werden über einen Trägerrost und quer laufende Lichtbänder beleuchtet.
  • Die Treppenanlagen und die freien Kanten der Verteilerebene wurden mit einem einfachen Stabgeländer umwehrt, die Treppenbeleuchtung wurde in das Geländer integriert.

U-Bahnhof Bundestag

  • Der Rohbau des U-Bahnhofs Bundestag wurde vom Architekten Axel Schultes gebaut, der auch der Architekt des Bundeskanzleramts ist. So ist es kein Zufall, dass der architektonische Stil sowie die verwendeten Materialien beider Bauwerke sehr ähnlich sind.
  • Der zwischen Kanzleramt und Bundestag im Spreebogen gelegene U-Bahnhof hat eine unterirdische Halle, die 3000 Quadratmeter umfasst und 8 Meter hoch ist. Diese Halle wird von asymmetrisch angeordneten Säulen unterteilt. Für den gesamten U-Bahnhof wurde ausschließlich polierter Sichtbeton verwendet. Es wird weder Wandverkleidungen noch sonstige Ausschmückungen geben.
  • In den Tunnelanlagen sieht man sehr gut, wie gebaut wurde: der Tunnelabschnitt zwischen Hauptbahnhof und Bundestag wurde in offener Bauweise errichtet und ist eckig, wohingegen der Abschnitt zwischen Bundestag und Pariser Platz mit Schildvortrieb in runder Form gebaut wurde.

U-Bahnhof Brandenburger Tor

  • Der U-Bahnhof liegt nördlich als eigenständiges Tunnelbauwerk neben dem S-Bahnhof Unter den Linden.
  • Das Bahnhofsbauwerk gliedert sich in drei Hauptbauteile mit einer Gesamtlänge von circa 145 Metern. Die 95 Meter lange und 20 Meter breite Bahnsteighalle wird an den Köpfen durch je 25 Meter lange Zugangsbauwerke, den Westkopf und den Ostkopf, ergänzt.
  • Der Ausbau der Bahnsteighalle erfolgte entsprechend dem Teilbetrieb auf der U-Bahnlinie nur in reduzierter Ausstattung. Die Bahnsteigebene liegt circa 15 Meter unter dem Straßenpflaster.
  • Die Bahnsteighalle enthält einen circa 11,50 Meter breiten Mittelbahnsteig, dessen Fahrgastbereich in die angrenzenden Zugangsbauwerke hineinführt und eine Gesamtlänge von circa 105 Meter hat. Die Deckenkonstruktion der Halle wird von 19 Stützenpaaren getragen. Der Rohbeton der Hallendecke wird durch eine Gipsfaserplattenbekleidung abgehängt, dessen Ausbildung, dem Stützenraster angepasst, in Kassettenart ausgeführt wird.
  • Der Bahnsteig wurde in Granit belegt und mit einem Blindenleitsystem ausgestattet. Die Stützenflächen und die dem Fahrgastbereich zugänglichen Wandflächen wurden mit Fliesen oder Naturstein belegt.
  • Hinter den Gleisen wurden die Wandflächen durch emaillierte Blechtafeln bekleidet. Die Blechtafeln erhalten durch Einbrennen eine Dekornachbildung, die dem Naturstein des Brandenburger Tors angepasst wird. Die Höhe der Bekleidung beträgt 3,30 Meter, die Länge circa 112 Meter. In die Wandverkleidung wurden je Gleisseite vier Werbetafeln und Bahnhofsnamen eingearbeitet.
  • Die Beleuchtung der Bahnsteighalle erfolgt durch Kugelsegmentleuchten, die jeweils mittig in den Kassettendeckenfeldern eingebaut wurden.
  • Der Westkopf gliedert sich in vier Ebenen. Die Bahnsteigebene wird mit der obersten Ebene, der Verteilerebene durch eine vierläufige feste Treppe und zwei benachbarte Fahrtreppen verbunden.
  • In der Verteilerebene wurde der Verbindungsgang zur S-Bahn wieder angeschlossen, der im Zuge der Baumaßnahmen abgebrochene nördliche Ausgang zur Straße wurde wieder hergestellt sowie ein weiterer neuer Ausgang zum Mittelstreifen gebaut.
  • Eine neue Aufzugsanlage verbindet die Bahnsteigebene mit der Verteilerebene und der Straßenebene auf dem Mittelstreifen. Somit wird auch den Fahrgästen der S-Bahn das Erreichen der Straßenebene ohne Treppensteigen ermöglicht.
  • Die erforderlichen Betriebsräume der BVG sind in den unteren Ebenen des Westkopfes platziert.
  • Ein gesondertes Treppenhaus, dass nicht dem Fahrgastbetrieb zugänglich ist, erschließt die in den Zwischenebenen liegenden Betriebsräume.
  • Alle Wandflächen des Treppenhauses und der Verteilerebene erhalten einen großformatigen Wandbelag aus Natur- oder Kunststein. In die Wandflächen wurden Schautafeln eingearbeitet, die eine zeitgeschichtliche Dokumentation des Brandenburger Tors zeigen. Die Bodenflächen erhielten ebenfalls Granitbelag. Die Beleuchtung des Treppenhauses und der Verteilerebene erfolgt durch Kugelsegmentleuchten.
  • Der durch die Baumaßnahme abgebrochene Ausgang auf dem nördlichen Gehweg wurde baugleich rekonstruiert.
  • Der neue Ausgang zur Mittelinsel wird sich in Anlehnung bereits vorhandener Ausgangsanlagen städtebaulich in Harmonie zu den Linden einfügen.
  • Im Zuge des weiteren Ausbaus der U5 (Brandenburger Tor – Alexanderplatz) wird der Ostkopf in vergleichbarer Bauart erstellt.

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