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DB und Siemens entwickeln digitalisierten Betrieb bei der S-Bahn Hamburg

Hamburg ist Partnerstadt und wird Vorreiter für digitalen Bahnbetrieb in Deutschland • Bis zum ITS-Weltkongress im Oktober 2021 rollen vier Züge auf einer Pilotstrecke hochautomatisiert

Digitale S-Bahn Hamburg

Hamburg, 12.07.2018 (BA/gm)
In Hamburg wird 2021 erstmals in Deutschland ein hochautomatisierter S-Bahn-Betrieb aufgenommen. Eine entsprechende Kooperations-vereinbarung zur „Digitalen S-Bahn Hamburg“ haben am gestrigen Donnerstag der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, Dr. Peter Tschentscher, Siemensvorstand Dr. Roland Busch und DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla unterzeichnet. Hamburg ist damit Vorreiter für den digitalisierten Betrieb in einem deutschen Bahnnetz.

Die Vereinbarung sieht vor, den 23 Kilometer langen Streckenabschnitt auf der S-Bahn-Linie 21 zwischen den Stationen Berliner Tor und Bergedorf/Aumühle für das hochautomatisierte Fahren einzurichten und parallel dazu vier Fahrzeuge mit der erforderlichen Technik auszurüsten. Die drei Partner haben vereinbart, sich die rund 60 Millionen Euro Kosten zu teilen. Im Oktober 2021, wenn Hamburg den Weltkongress für Intelligente Transportsysteme (ITS) ausrichtet, werden diese Fahrzeuge digital gesteuert verkehren. 

Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn: „In Hamburg starten wir die Digitalisierung des Betriebes in einem unserer wichtigen S-Bahn-Netze in Deutschland. Das ist ein Meilenstein in unserem Zukunftsprogramm ‚Digitale Schiene Deutschland‘. Denn wir leiten den größten technologischen Wandel seit Jahren ein. Mit diesem Projekt werden wir eine wichtige Referenz für die Gestaltung intelligenter und klimafreundlicher Verkehrsnetze entwickeln, wie wir sie insbesondere in den Großstädten künftig brauchen. Das ist ein guter Tag für die Eisenbahn in Deutschland.“

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Hamburg ist auf dem Weg zur Modellstadt für moderne Mobilität. Wir wollen den Verkehr in unserer Stadt auf der Straße und auf der Schiene zuverlässiger, umweltfreundlicher und sicherer machen. Wir sind damit ein guter Partner für die Deutsche Bahn, um deutschlandweit die erste Teststrecke für hochautomatisiert fahrende S-Bahnen einzurichten.“

Dr. Roland Busch, Chief Technology Officer und Mitglied des Vorstandes der Siemens AG: „Die S-Bahn in Hamburg ist ein anschauliches Beispiel, wie die digitale Transformation unser Leben in vielen Bereichen positiv verändert. Mit intelligenter Technik schaffen wir es, dass immer mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Ein automatisierter Bahnbetrieb hat viele Vorteile: auf derselben Strecke können bei höherer Kapazität deutlich mehr Personen befördert werden, der Energieverbrauch sinkt ebenfalls, und die Kosten für den Betreiber sinken, zum Beispiel durch optimierte Fahrprofile.“

Digitale S-Bahn Hamburg

Die „Digitale S-Bahn Hamburg“ wird auf dem Streckenabschnitt zwischen den Stationen Berliner Tor und Aumühle entwickelt und erprobt. Technische Basis für die hochautomatisierte Fahrt auf der Strecke ist der künftige europäische Standard ATO (Automatic Train Operation) über das funkbasierte europäische Zugsicherungssystem ETCS Level 2 (European Train Control System). Die Steuerung der vier Fahrzeuge erfolgt per Funksignal. Daten werden zwischen Zug und Streckenzentrale übermittelt. Bei allen Fahrten in dem Streckenabschnitt ist weiter ein Triebfahrzeugführer an Bord. Eingreifen muss er künftig jedoch nur noch, sollten Störungen oder Unregelmäßigkeiten das erfordern.

Vollautomatisch werden ab 2021 hingegen die vier speziell ausgerüsteten Züge aus der und in die so genannte Abstellanlage an der Station Bergedorf rollen. Diese befindet sich etwa in der Mitte zwischen den Stationen Berliner Tor und Aumühle. An den Bergedorfer Bahnsteig fährt der Zug nach einer Kehrfahrt über 1.000 Meter allein und ohne Personal an Bord.

Nach einer erfolgreichen Pilotphase ist geplant, das gesamte Netz der S-Bahn Hamburg zu digitalisieren. Langfristig liegen die Effekte der neuen Technologien insbesondere in einer engeren Taktung der Fahrzeuge auf gleichen Streckenabschnitten. Für die Fahrgäste bedeutet das ein deutlich verbessertes Mobilitätsangebot.

Die Kooperationsvereinbarung ist Ergebnis des im vergangenen Jahr unterzeichneten „Memorandum of Understanding“ zur „Smart City“- Partnerschaft zwischen der DB und der Hansestadt. Eine damals vereinbarte Machbarkeitsstudie ist die Grundlage für das Pilotprojekt „Digitale S-Bahn Hamburg“.

Was hat Hamburg, was haben die Fahrgäste von dem Vorhaben?
Durch das Projekt sollen neue innovative Technologien des digitalisierten Bahnbetriebs entwickelt und erprobt werden. Die Digitalisierung ermöglicht u.a. mehr Züge für mehr Reisende in kürzeren Abständen. Damit profitieren Fahrgäste von kürzeren Fahrplantakten und einer verbesserten Pünktlichkeit. Die Technologien sollen mittelfristig auf dem gesamten Hamburger S-Bahn-Netz ausgerollt werden. Langfristig soll ganz Deutschland auf den digitalisierten Bahnbetrieb hochgerüstet werden.

Ist der Betrieb sicher, gibt es Rückfallebenen?
Die Sicherheitsanforderungen für den Bahnbetrieb sind im internationalen Vergleich in Deutschland (und zu anderen Verkehrssystemen) extrem hoch – das gilt selbstverständlich auch für den digitalisierten Bahnbetrieb. Insbesondere stellen wir durch die Anwesenheit eines Triebfahrzeugführers im Führerstand bei der Fahrt mit den Fahrgästen zu jedem Zeitpunkt sicher, dass ein Eingreifen möglich ist, sollte eine gefährliche Situation entstehen.

Ist schon entschieden, ob und wann das gesamte S-Bahnnetz Hamburg digitalisiert betrieben wird?
Das Pilotprojekt ist der Startschuss für die weitere Modernisierung der S-Bahn, insbesondere das Ausrollen der ETCS-Technologie. Das genaue Vorgehen wird innerhalb der kommenden Jahre festgelegt.

Was unterscheidet die S-Bahn Hamburg von anderen Verkehrssystemen (wie U-Bahn Nürnberg oder Flughafenshuttles), in denen vollautomatisiert gefahren wird?
Beim Projekt in Hamburg werden im Gegensatz zu U-Bahn-Systemen (z.B. U-Bahn Nürnberg) auf europäischer Ebene standardisierte Technologien verwendet. Dies ermöglicht den späteren Rollout sowohl bei der S-Bahn Hamburg als auch in weiteren Regionen. Zudem unterscheiden sich Betriebsordnungen und gesetzliche Grundlagen für U-Bahn-Systeme signifikant von Vollbahn-Systemen (z.B. S-Bahn-Systemen). Beim Projekt in Hamburg handelt es sich um die erste so genannte Vollbahn, die digital gesteuert wird. Hier ist in weiten Teilen eine Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt notwendig.

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