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Wo bleibt der Unfallbericht zur Beinahe-ICE-Katastrophe von Dierdorf?

Berlin, 12.02.2020 (BA/gm)
Vor exakt 16 Monaten, am 12. Oktober 2018, geriet bei Dierdorf auf der Schnellfahrstrecke Köln – Frankfurt/M. der ICE 511 in Brand. Der offizielle Unfallbericht steht aus. Dabei droht ein entscheidendes „Beweisstück“ – der Unglücks-ICE – aus dem Verkehr gezogen und verschrottet zu werden.

Es war pures Glück, dass beim Dierdorf-ICE-Unfall die 500 Fahrgäste in Eigeninitiative evakuiert werden konnten. An Bord befanden sich zufällig Feuerwehrleute und ein Bundespolizist. Es stellen sich ernste Fragen zur Sicherheit im gesamten ICE-Verkehr. Entsprechend wichtig ist der nach dem ICE-Brand angekündigte, verpflichtende Bericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung (BEU). Doch es gibt ihn bis heute nicht. Dabei wurde der Unglücks-ICE bereits Mitte August 2019 aus dem Ausbesserungswerk Krefeld nach Mukran auf Rügen überführt. Dort verwertet und verschrottet die DB ausgemusterte Fahrzeuge. 

Dr. Winfried Wolf von der Bahnfachleutegruppe Bürgerbahn statt Börsenbahn (BsB): „16 Monate Warten auf einen Bericht zu einem derart dramatischen ICE-Unfall sind unzumutbar. Insbesondere die Fahrgäste und die Bahnbeschäftigten haben einen Anspruch auf diesen Bericht.“

Es geht vor allem um drei Fragen:

  • Wie erklärt die DB den Widerspruch zwischen der früheren Aussage, ein ICE könne nicht brennen, und dem genannten Großfeuer, bei dem sogar Aluminium in Brand geriet? Tatsächlich gibt es alle Vierteljahr einen ICE-Brand; allein zwischen 2008 und 2018 sind 39 ICE-Brände dokumentiert.
  • Was gedenkt die DB zu unternehmen, damit bei solchen Bränden eine schnelle Rettung durch ausgebildete Kräfte stattfinden kann? In Dierdorf war die Feuerwehr zwar nach 11 Minuten vor Ort. Doch der Notfallmanager der DB traf erst 40 Minuten nach der Unfallmeldung ein. Somit waren die löschbereiten Feuerwehrkräfte wegen der nicht geerdeten Oberleitung 30 Minuten zur Untätigkeit verdammt. Denn beim derzeitigen Unfallmanagement kann allein der DB-Notfallmanager diese Erdung vornehmen.
  • Welche zusätzlichen Schutzmaßnahmen wird die DB ergreifen, um künftig einen Trafobrand, wie es ihn in Dierdorf gab, auszuschließen? Und: Trifft es zu, dass immer wieder ICE unterwegs sind, bei denen die wichtige Schutzvorrichtung gegen einen solchen Brand, das sog. Buchholz-Relais im Trafo, ausgeschaltet – „überbrückt“ – ist?

Als Menetekel steht die Frage im Raum: Welche Folgen hätte ein vergleichbares Brandereignis bei Umsetzung von Stuttgart21 mit seinem 60 Kilometer langen Gleisnetz in Tunneln und einem am tiefsten Punkt gelegenen Großstadtbahnhof?

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