Archive
Dezember 2018
M D M D F S S
« Nov    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Sabine Leidig zu dem bei Aßmannshausen entgleisten Güterzug

Berlin, 10.06.2013 (BA/gm)
Zur Zugentgleisung am gestrigen Sonntag bei Aßmannshausen – zwischen Rüdesheim und Lorch – erklärt Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der LINKEN im Deutschen Bundestag: „´Nochmals gut gegangen´ und ´Es gab ja nur Blechschäden´, so lauten die beschwichtigenden Kommentare anlässlich der gestrigen Zugentgleisung in Aßmannshausen. Besieht man sich die Fotos vom Unfallort mit den Hunderten faustgroßen Schottersteinen, die auf die Straße geschleudert wurden, dann wird schnell klar: Da hätte es Schwerverletzte und auch schwere Straßenverkehrsunfälle mit Toten geben können, wenn die Zugentgleisung nicht frühmorgens um 5 Uhr 30, sondern ein paar Stunden später, und vor allem, wenn diese nicht an einem Sonntag, sondern an einem Werktag mit dichterem Straßenverkehr stattgefunden hätte.

Auf Facebook postete der Anwohner T.S. die folgenden Sätze: ´Wenn das ein Zug mit Chemikalien gewesen wäre, dann gute Nacht.´ Das trifft ins Schwarze. Der Präzedenzfall für einen solchen schweren Güterzug-Unfall fand im Juli 2009 in Viareggio in Norditalien statt. Bei einem Güterzug mit Chemikalien brach mitten in dem norditalienischen Städtchen eine Achse. Der Zug entgleiste. Gas und Chemikalien entwichen und explodierten. Es gab ein Flammeninferno. 22 Anwohner fanden den Tod.

Es handelte sich im Übrigen bei dem Zug um ein in Österreich registriertes Eisenbahnunternehmen und bei der gebrochenen Achse um einen in Deutschland hergestellten und kurz zuvor erst unter den Güterwaggon montierten Radsatz. Vergleichbare Unfälle mit Güterzügen häufen sich in jüngerer Zeit: Im Mai 2012 gab es in Belgien zwei schwere Unfälle mit Güterzügen. Und vor wenigen Wochen, am 4. Mai 2013, entgleiste ein Güterzug in der Nähe der belgischen Stadt Gent. Erneut Kesselwagen mit Chemikalien, die explodierten und zwei Menschenleben forderten.

Die Fraktion DIE LINKE. im Bundestag fordert:

  • Güterzüge dürfen nicht durch dicht bewohnte Gebiete geführt werden!
  • Die Forderung der Bevölkerung vor Ort in Aßmannshausen nach einer Alternativtrasse muss jetzt ernsthaft geprüft werden.
  • Den Forderungen nach Schutz vor Schienenverkehrslärm muss entsprochen werden! Notwendig sind eine Reduktion der Geschwindigkeit der Güterzüge und das Verbot des Einsatzes von Dieselloks auf elektrifizierten Strecken.
  • Der Privatisierungskurs im Schienenverkehr (mit einer nicht mehr zu kontrollierenden „Vielfalt“ von zugelassenen Eisenbahnunternehmen, mit völlig unzureichenden Sicherheitsüberprüfungen und mit einer maroden Infrastruktur usw.) muss gestoppt und eine integrierte, sichere, allein dem Allgemeinwohl verpflichte Eisenbahn wieder etabliert werden.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.